Palästinensischer Botschafter in Ankara: Türkei und Ägypten sollten Truppen nach Gaza entsenden

Ginge es nach dem palästinenischen Botschafter in Ankara, Nabil Maarouf, dann sollten die beiden Schwergewichte im Nahen Osten, die Türkei und Ägypten, umgehend Truppen nach Gaza entsenden, um einen Waffenstillstand zwischen Israel und der Hamas zu überwachen. Geschehen solle das Ganze unter dem Dach der Vereinten Nationen. Ob ein solcher Schritt allerdings ratsam ist, bleibt fraglich.

Im Gespräch mit der türkischen Zeitung Zaman brachte der palästinenische Botschafter in Ankara, Nabil Maarouf, die Sicherung Gazas durch türkische und ägyptiche Truppen ins Gespräch. Seit vergangenen Mittwoch liefern sich Gaza und Israel heftige Gefechte mit derzeit mindestens 130 Toten. Im Hinblick auf eine mögliche Waffenruhe, so der Top-Diplomat, sollten die Türkei und Ägypten nun sofort Truppen nach Gaza entsenden (der türkische Außenminister ist heute in Gaza eingetroffen – mehr hier).

„Die Anwesenheit der türkischen und ägyptischen Truppen in Gaza wäre die beste Lösung für die Zukunft Palästinas“, so der Botschafter. Beide seien wichtige und nahe Länder in der Region. Und noch entscheidender: Israel würde es seiner Ansicht nach nie wagen, Gaza in Gegenwart von türkischen und ägyptischen Truppen anzugreifen. Die Situation würde sich dadurch wesentlich entschärfen. Für Maarouf die Lösung des seit Tagen andauernden Blutbades. Gleichzeitig betonte er aber auch, dass der Einsatz der beiden Staaten in Gaza definitiv unter dem Dach der UN geschehen sollte.

Türkei und Ägypten sollten keine Alleingänge unternehmen

Die Bekundungen der letzten Tage sind ihm offenbar genug: „Wir wollen keine weiteren Statements von regionalen und globalen Mächten. Wir wollen sofortige Maßnahmen, die das Leben der Palästinenser retten. (…) Dies ist keine offizielle Anfrage von der palästinensischen Behörde, sondern meine persönliche Anfrage.“ (bereits Mitte letzter Woche gabe es Protest in der Türkei – mehr hier)

Die Bemühungen um Deeskalation, hauptsächlich von Seiten Ägyptens, schienen bis zum heutigen Abend allerdings wenig von Erfolg gekrönt. Doch ob das Heil wirklich in einer Entsendung ägyptischer und türkischer Truppen nach Gaza liegt, wird von Beobachtern stark bezweifelt. Nüzhet Kandemir, ehemaliger türkischer Botschafter in Washington, etwa befürchtet, dass so die Situation erst recht eskalieren und Ägypten wie der Türkei später dafür auch noch die Schuld gegeben werden könnte. Einen solchen Schritt ohne internationale Unterstützung zu unternehmen, wäre alles andere als im Interesse der Türkei, vor allem langfristig.

Waffenruhe soll ab 23 Uhr (MEZ) in Kraft treten

Unterdessen gibt es einen diplomatischen Durchbruch zu vermelden. Wie der Nachrichtensender n-tv berichtet, liegt die von Maarouf zuvor noch erhoffte Waffenruhe in unmittelbare Reichweite. Bereits an diesem Dienstag, um 23 Uhr, soll diese in Kraft treten. Das, so heißt es, habe die im Gazastreifen herrschende palästinensische Organisation mitgeteilt.

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