Parlamentssprecher Cemil Çiçek: Türkei wird mit dem Flüchtlingsproblem alleingelassen

Seit Beginn der Unruhen in Syrien, so informiert der türkische Parlamentssprecher Cemil Çiçek, habe die Türkei rund 170.000 Flüchtlinge versorgt und dafür etwa 400 Millionen Dollar ausgegeben. Eine Entspannung ist nicht in Sicht. Hilfe von außerhalb allerdings ebenso wenig.

Im Rahmen eines Treffens mit dem Präsidenten der Parlamentarischen Versammlung der OSZE, Riccardo Migliori, informierte der türkische Parlamentssprecher Cemil Çiçek über die angespannte Situation. Çiçek kritisierte die seines Erachtens gleichgültige Haltung der internationalen Gemeinschaft hinsichtlich der humanitären Bedürfnisse der syrischen Flüchtlinge (einzig das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen hat sich mittlerweile eingeschaltet – mehr hier) . Das berichtet die türkische Zeitung Hürriyet.

Mehr als 170.000 seien mittlerweile vor der Brutalität und dem Chaos in ihrer Heimat, wo jeden Tag Menschen getötet werden, geflohen und hätten Zuflucht in der Türkei gesucht. „Bisher hat die Türkei 400 Millionen Dollar dafür ausgegeben“, so Çiçek weiter. Doch diejenigen, die die Möglichkeiten hätten, würden zusehen, während hier Zehntausende sterben.

Erst Anfang November war es zu einer erneuten Massenflucht in die Türkei gekommen. Im Laufe von 24 Stunden strömten run 9000 Flüchtlinge über die Grenze und ließ die Anzahl derjenigen, die zu Beginn des Winters in türkischen Flüchtlingslagern ausharren, auf rund 120.000 Personen anschwellen. „Seit Anfang 2012 haben wir herausgestellt, dass Hilfe bei der Versorgung dieser Menschen brauchen. Doch bis heute ist keine bemerkenswerte Hilfe bei uns angekommen“, stellt Çiçek fest.

Migliori will sich für syrische Flüchtlinge einsetzen

Währen des Treffens würdigte Migliori auf der anderen Seite die Bemühungen der Türkei für die syrischen Flüchtlinge. Migliori kündigte an, alle in der OSZE vertretenen nationalen Parlamente noch einmal anzusprechen, damit diese konkrete Beiträge in Solidarität mit den syrischen Flüchtlingen leisten würden (Deutschland will weiterhin keine Flüchtlinge aufnehmen – mehr hier).

Trotz der anhaltenden Belastungen will die Türkei jedoch weiterhin Flüchtlinge aufnehmen. Mitte Oktober stellte sie die Marke von 400.000 Menschen bis Juni 2013 in Aussicht – trotz ökonomischer Bedenken. Erst im im vergangenen August hatte der türkische Außenminister Ahmet Davutoğlu auf die prekäre Situation der Türkei hingewiesen und eine Schmerzgrenze von gut 100.000 Flüchtlingen ausgerufen.

Mehr zum Thema:

Nato liefert Raketenabwehrsystem an die Türkei
Abdullah Gül in größter Sorge: Syrien könnte chemische Waffen gegen Türkei einsetzen
Auseinandersetzungen an der türkisch-syrischen Grenze: Türkische Streitkräfte lassen Kampfjets aufsteigen


Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.