Gesundheits-Checks bringen nicht unbedingt mehr Gesundheit

Pauschale Vorsorgeuntersuchungen bringen nicht den gewünschten Erfolg, wie bisher angenommen. Den Forschern zufolge liegt dies daran, dass viele Erkrankungen erst im Zuge anderer Untersuchungen festgestellt werden. In der Türkei brachte der plötzliche Tod von Eskişehirspor-Spieler Ediz Bahtiyaroğlu das Thema in die öffentliche Debatte.

Pauschale Vorsorgeuntersuchungen bringen nicht den gewünschten Erfolg. Der kostenlose Gesundheits-Check, den deutsche Krankenversicherungen ab dem 36. Lebensjahr alle zwei Jahre bezahlen, verbessert die gesundheitliche Situation der Versicherten offenbar weniger als angenommen. Eigentlich sollen diese Untersuchungen helfen, Herzkreislauferkrankungen, Diabetes und Krebs früher zu erkennen und so besser behandelbar zu machen.

20 Prozent mehr Diagnosen bei regelmäßigen Check-ups

Dieser Plan geht aber nur teilweise auf. Denn es werden zwar mehr gesundheitliche Risiken und Erkrankungen diagnostiziert. Auf den gesundheitlichen Zustand der Patienten wirkt sich dies allerdings nicht merklich aus. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des dänischen Nordic Cochrane Centre. Forscher haben dabei mehrere Studien ausgewertet, an denen insgesamt über 180.000 Menschen teilgenommen haben.

Das Nordic Cochrane Centre hat die gesundheitliche Entwicklung von Menschen, die sich regelmäßig Check-ups unterziehen mit solchen, die keine Vorsorgeuntersuchung wahrnehmen, verglichen. Die Untersuchung zeigt, dass je nach Studie, bis zu 20 Prozent mehr Diagnosen gestellt werden, wenn sich Patienten regelmäßig vom Hausarzt untersuchen lassen. Dennoch folgt daraus nicht automatisch eine bessere Gesundheit oder ein geringeres Risiko, an Herzkreislauferkrankungen oder Krebs zu sterben.

Dies liegt den Forschern zufolge auch daran, dass viele Erkrankungen im Zuge anderer Untersuchungen festgestellt werden. Außerdem nehmen Risikogruppen die Check-ups oft nicht wahr. Damit verliert die zusätzliche Untersuchung durch den Hausarzt an Sinn. Diejenigen, die einen Check-up machen, sind ohnehin jene, die mehr auf ihre Gesundheit achten und dadurch ein geringeres Risiko aufweisen. Ob vor diesem Hintergrund routinemäßige kostenlose Gesundenuntersuchungen zu rechtfertigen sind ist fraglich. Die Forscher des Nordic Cochrane Centre fordern jedenfalls, dass die Wirkung solcher vorbeugenden Maßnahmen genauer untersucht werden.

Plötzlicher Herztod von Profi-Fußballer heizt Debatte an

Das Thema Gesundheits-Checks und Vorsorge wurde in der Türkei kürzlich in einem ganz anderen Zusammenhang diskutiert. Aufgebracht wurde das Ganze durch den plötzlichen Tod des erst 26-jährigen Eskişehirspor-Spielers Ediz Bahtiyaroğlu infolge eines Herzinfarkts Anfang September dieses Jahres. Sein Fall warf Fragen auf, wie gut die Gesundheit von Athleten in der Türkei eigentlich überwacht wird. Kurz nach dem Vorfall wurden Forderungen nach einer intensiveren Fürsorge für Laien- als auch Profisportler laut.

Prof. Emin Ergen, Vorstand des Türkischen Olympischen Kommitees (TMOK), erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Anatalia, dass man künftig eine breite Palette an Vorsorgeuntersuchungen anbieten sollte, die sich auch an Amateursportler richteten. Angesprochen auf den Herzanfall von Bahtiyaroğlu, gab er jedoch zu verstehen, dass derartige Herzprobleme, die zum Tod führen, nur schwer erkannt werden könnten. „Leider ist das nicht der erste Fall und wird auch nicht der letzte sein“, macht Ergen deutlich. Es bedürfe detaillierter und spezieller Tests, um solche Herzprobleme zu diagnostizieren.

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