Mega-Projekt in Artvin: Türken bauen dritthöchsten Staudamm der Welt

Mit dem Yusufeli Damm soll in der nordöstlichen Provinz Artvin der höchste Staudamm der Türkei und zugleich der dritthöchste Staudamm der Welt entstehen. Mit der Verwirklichung des Mega-Projekts versucht die Türkei ihre Abhängigkeiten von ausländischen Energieressourcen weiter zu reduzieren. Unumstritten ist das Ganze allerdings nicht.

Seit Donnerstag ist alles unter Dach und Fach. Nach seiner Fertigstellung soll der Yusufeli Damm nicht nur das höchste Bauwerk seiner Art in der Türkei, sondern auch der dritthöchste weltweit sein. Das gab Akif Özkaldı, General Manager von der Staatlichen Wasserbehörde (DSİ) im Rahmen der Feierlichkeiten zur Unterzeichnung des Damm- und Wasserkraft-Projektes bekannt.

Notwendig sei ein Bauwerk dieser Dimensionen für die Türkei allemal. Der Bedarf der türkischen Bevölkerung an Energie steige, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet Özkaldı, von Tag zu Tag. Und Wasserkraft sei hier eine ganz wesentliche und noch dazu günstige, saubere und erneuerbare Energiequelle.

Seinen Angaben zufolge werde der Yusufeli Damm künftig 817 Milliarden Kilowattstunden Energie pro Jahr produzieren und seine gesamte Speicherkapazität 2,2 Milliarden Kubikmeter betragen. Das entspräche in etwa dem Sechs-Jahres-Verbrauch der türkischen Hauptstadt Ankara.

Türkei schöpft sein Wasserkraft-Potenzial nicht aus

Umwelt- und Forstminister Veysel Eroğlu, der der Zeremonie ebenfalls beiwohnte, stellte darüber hinaus heraus, dass der Bau komplett mit heimischen Ressourcen, Ingenieuren und Bauunternehmern bewerkstelligt werden solle. Zudem solle die Umgebung während der Bauphase geschützt werden. „Ich glaube, dass unsere Auftragnehmer in kurzer Zeit zu den weltweit führenden Unternehmen gehören werden. Hierfür werden wir jede Art von Unterstützung anbieten.“ Das derzeitige Leistungsbilanzdefizit der Türkei beruhe im Wesentlichen auf den hohen Energieimporten der Türkei. Umso wichtiger sei daher inländische und günstige Energiequellen zu nutzen und im Land eine sichere und vielfältige Energiepalette anzubieten. Laut Eroğlu habe die Türkei etwa 216 Milliarden Kilowattstunden nutzbares Wasserkraft-Potenzial, allerdings würden davon nur 165 Milliarden genutzt (auch das Thema Solarenergie will die Türkei nun verstärkt angehen – mehr hier).

17.000 Menschen verlieren Heimat und Lebensgrundlage

Das Vorhaben, das Teil einer Kaskade von zehn Mega-Staudämmen ist, hat aber auch gewaltige Schattenseiten. Wie etwa im Blog umdiewelt.de berichtet wird, missachte die türkische Regierung bei ihrem Vorhaben die internationalen Auflagen für den Schutz der Bevölkerung und der Natur im sensiblen Tal des Coruh. Das Herzstück der Kraftwerke sei der seit den 80er Jahren geplante Yusufeli Staudamm. Er würde mit einer Staumauer von 271 Metern Höhe den Coruh und seine Seitenflüsse auf einer Länge von 80 Kilometern aufstauen und in Spitzenzeiten 540 MW Energie produzieren. „Das Projekt ist umstritten, da 17.000 Menschen ihre Heimat und ihre Lebensgrundlage verlieren würden, die Artenvielfalt vernichtet würde und viele georgische Kirchen sowie tausendjährige Kulturgüter und fruchtbares Kulturland zerstört würden.“

Noch deutlicher wird die Erklärung von Bern (EvB): „Das Staudammprojekt bedroht die Artenvielfalt. Das Coruh Tal und Yusufeli gehören zu den artenreichsten Gebieten der Welt und zum Biodiversitäts-Hotspots des Kaukasus. Weltweit gibt es nur 25 solche Biodiversitäts-Hotspots. (…) Notwendig wäre eine Redimensionierung der Dammprojekte bzw. ein Stopp, was natürlich nicht im Sinne der Baufirmen ist. In Europa wäre das artenreiche Gebiet längst unter Biosphären- oder Naturschutz gestellt und der Bau von Staudämmen dieser Grösse verboten.“

Auch der Deriner-Damm gehört zu den türkischen Mega-Bauwerken:


Mehr zum Thema:

Turkish Wind Energie Conference 2012: Erneuerbare Energien trotzen staatlicher Verzögerungstaktik
Türkei und Irak unterschreiben Erdölpakt
Preisexplosion: Türken haben die teuerste Spritrechnung der Welt


Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.