Altersarmut in der Türkei: Viele Rentner sind auf ihre Söhne und Töchter angewiesen

Nicht nur in der Bundesrepublik ist das Thema Altersarmut mit all seinen Konsequenzen so medienpräsent wie nie. Auch in der Türkei ist die Lage der Rentner prekär. Wie eine aktuelle Umfrage zeigt, sind die Kühlschränke der Alten nur spärlich gefüllt. Viele leben von der Unterstützung durch Söhne oder Töchter. Das TV-Programm bestimmt den Alltag.

Die Rente ist sicher, aber offenbar nicht sicher genug: 38 Prozent der Deutschen, so berichtet dieser Tage eine große deutsche Boulevardzeitung unter Berufung auf die aktuelle Umfrage „DGB-Index Gute Arbeit 2012“ des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), hätten Angst vor der Altersarmut. Dass ihre gesetzliche Rente eines Tages zum Leben reichen wird, den Glauben daran haben viele hierzulande schon längst verloren. Bei den 25- bis 35-Jährigen ist die Stimmung sogar noch düsterer. Hier sind es gar 51 Prozent, die absolut schwarz sehen.

In der Türkei, so schreibt nun die türkische Zeitung Hürriyet, ist das Leben vieler Rentner schon jetzt alles andere als dolce vita. Das gehe aus einer Umfrage des türkischen Verbands der Rentner hervor. Ganze 84.44 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass ihre Einnahmen nicht zum Leben ausreichten. Während 73,4 Prozent der türkischen Rentner derzeit keine Extraeinnahmen hätten, empfingen 28,8 Prozent unter ihnen zusätzliche Unterstützung durch Dritte – vor allem durch ihre Söhne und Töchter. Der Verein selbst helfe vier Prozent dieser Menschen (auch viele türkische Familien stecken im Schuldensumpf – mehr hier).

Der Speiseplan der Alten ist entsprechend. Das Geld werde vor allem für Brot, Gemüse, Obst, Reis und Nudeln ausgegeben. Auch Hülsenfrüchte seien ein wichtiger Ernährungsbestandteil. Am wenigsten konsumiert werde hingegen rotes Fleisch. Ohnehin fliest das meiste Geld der Rentnerinnen und Rentnerdirekt in den Kühlschrank. Bei 14 Prozent der Umfrageteilnehmer geht das ganze Geld für Lebensmittel drauf. 38 Prozent geben immerhin die Hälfte dafür aus. Satte 73 Prozent gaben an, dass ihr Einkommen nicht ausreichen würde, um das einzukaufen, was sie bräuchten oder gerne essen würden. 60 Prozent würden überdies mit Nahrungsmitteln durch ihre Familien über Wasser gehalten (34,9 Prozent der Türken leben knapp an der Armutsgrenze oder sogar darunter – mehr hier).

Auswahl der Lebensmittel: Preis geht vor Gesundheit

Ausschlaggebend für den Kauf bestimmter Lebensmittel sei in erster Linie der Preis, so berichtet das Medium weiter. Über die Hälfte der Befragten sei nicht an den gesundheitlichen Aspekten eines bestimmten Lebensmittels interessiert. Dem Rest sei jedoch wichtig, dass es sich zumindest um saubere Produkte handle.

Das sind jedoch nicht die einzigen Schwierigkeiten, mit denen Senioren in der Türkei konfrontiert würden. Oftmals scheitere eine ausreichende Information schon an der Größe der jeweiligen Verpackungsaufschrift, die von Sehschwachen nicht mehr richtig entziffert werden könnte. 34 Prozent beklagen überdies, dass sie für ihre speziellen Diätvorschriften, nicht die passenden Produkte finden könnten.

Trister Alltag: Rentern machen kaum größere Unternehmungen

Auch zu den übrigen Lebensumständen macht die türkische Rentner Vereinigung Aussagen. Demnäch hätten 61.3 Prozent der Senioren keine Kreditkarte. Von den verbliebenen wiederum hätten 61.3 Prozent nur eine. Während 67.5 Prozent der Befragten in Wohnungen lebten, hätten 27.5 Prozent ein einfaches Häuschen, meist in eher heruntergekommenen Vierteln. Nur fünf Prozent leben in Einfamilienhäusern. Immerhin 72.9 Prozent von ihnen besitzen dieses auch. Der Rest wohnt zur Miete. Der Alltag der Rentner verläuft geradezu stereotyp. So gehöre TV-Konsum zu den führenden Freizeitbeschäftigungen, gefolgt von beten, Zeitung lesen, spazierengehen und Musik hören. Reisen, ins Kino zu gehen oder ein Theaterbesuch stehen kaum auf dem Programm.

An der Umfrage nahmen 1,018 weibliche und 2,382 männliche Personen teil.

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