Kein neuer Anlauf: Türkei will nicht länger CERN Mitglied werden

Die Türkei hat ihre Bestrebungen vollwertiges Mitglied des Europäischen Komitees für Kernforschung (CERN) zu werden offenbar aufgegeben. Hintergrund für die Entscheidung sollen wirtschaftliche Überlegungen sein.

Einem Bericht der türkischen Hürriyet zufolge habe es die türkische Atomenergiebehörde (TAEK) als nicht besonders „produktiv“ empfunden, Jahr für Jahr rund 70 Millionen Lira, umgerechnet rund 50 Millionen Dollar, an die CERN zu zahlen. Die Konsequenz: Weitere Bestrebungen um eine vollwertige Mitgliedschaft im Europäischen Komitee für Kernforschung würden nicht länger vorangetrieben (ins Gespräch geriet die Institution mit Sitz in der Schweiz im Zusammenhang mit dem so genannten Gottesteilchen – mehr hier).

Physiker, so heißt es weiter, hätten die Entscheidung scharf kritisiert. 31 Wissenschaftler hätten sich mittlerweile sogar mit einem Brief an den Premierminister gewandt, in dem sie darlegten, dass es sich hierbei um einen schlimmen Fehler handeln würde. „Eine CERN-Mitgliedschaft ist für Physiker, aber auch für den wachsenden privaten Sektor von größter Wichtigkeit. Um unser Ansehen als regionale Macht zu erhöhen, müssen wir das bewahren, was wir bis heute erreicht haben und unseren Weg in Richtung einer CERN-Vollmitgliedschaft weiter verfolgen.“ (mittlerweile verfügt die Türkei über einen eigenen Teilchenbeschleuniger, der in der Nähe von Ankara steht – mehr hier)

Die Türkei hat sich 2009 um eine Vollmitgliedschaft bei der CERN beworben. Bereits am 16. Dezember 2010 beschloss der CERN-Rat den Beginn von Beitrittsverhandlungen mit Israel, Serbien, Slowenien, der Türkei und Zypern als Vollmitglieder sowie Brasilien als assoziiertem Mitglied. Doch daraus wurde bisher nichts. Nach wie vor gibt es 20 Mitgliedsstaaten. Die CERN gilt als das weltgrößte Forschungszentrum auf dem Gebiet der Teilchenphysik. Beobachterstatus haben derzeit neben der Türkei die Europäische Kommission, Indien, Japan, Russland, die Vereinigten Staaten und die UNESCO.

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