Mehr Realitätssinn: Neues Wissen muss schneller in die Lehrpläne einfließen

Studenten und Schüler verbringen zu viel Zeit damit, nach Informationen zu suchen, die sie zum Lernen benötigen. Diese Zeit könnten sie in einem durchdachten System, dass alle neuen Technologien verwendet, zum Lernen nutzen. Es gibt einen „smart way to learn“, erklärt Suresh Munbodh von Global Learning.

Deutsche Bildungs Nachrichten: Wo liegen die globalen Unterschiede im Bereich der Bildung, vor allem in Bezug auf die USA, China und Europa?

Suresh Munbodh: Ich bin kein Experte für diese Regionen. Nchtsdestotrotz ist die Einstellung zu Bildung in den USA, Europa und China ganz unterschiedlich. In den USA gibt es eine Reihe von Institutionen, die Schülern unterschiedlichster Richtungen Bildung bieten. Einige müssen darum kämpfen, zur IVY-League zu gehören. Andere wiederum wollen einen Platz an einer Institution ihrer Wahl, um zu studieren.

In Europa gibt es eine Reihe von unterschiedlichen Systemen. In Frankreich ist der Konkurrenzkampf während der Ausbildung allgegenwärtig, da immer nur ein bestimmer Anteil das nächste Bildungslevel erreichen kann. Die Deutschen glauben in allem, was sie tun, an Qualität: an die Qualität der Menschen, an die Qualität der Arbeitskräfte und an die Qualität ihrer Produkte. Das deutsche Bildungssystem reflektiert das, denn es werden keine Kompromisse gemacht.

In den anderen Ländern Europas ist das wiederum anders. Es gibt allerdings nun das Bestreben, die Qualifikationen gleichzusetzen, um die Mobilität der Arbeitnehmer innerhalb Europas zu erleichtern.

In China ist der Wettstreit um einen Hochschulplatz sehr hoch, weil es immer mehr Bewerber als Plätze gibt. Aus diesem Grund befinden sich die Schüler schon früh in einem Wettrennen, um es zum Studium bringen zu können. Das ist ein enorm großer Stressfaktor für Eltern und Schüler.

Deutsche Bildungs Nachrichten: Wie können Technologien für das effiziente und effektive Lernen genutzt werden?

Suresh Munbodh: Wir leben in einer Welt, in der Technologie unsere Art zu leben, unsere Geschäfte, unsere Freizeit, unsere Produktion von Gütern auf den Kopf gestellt hat. Unsere Art zu lernen ändert sich jedoch nur sehr langsam.

Das Hochschulsystem, das wir heute haben, hat sich in den vergangenen 400 Jahren nicht geändert – wir haben immer noch Frontalunterricht, Tafeln und Lehrpläne, die von den Lehrenden für ihe Schüler und Studenten entworfen werden. Wie schon beschrieben, beeinflussen Technologien alle Bereiche unseres Lebens. Zum Beispiel waren noch zwei Jahrhunderte zuvor 60 Prozent der amerikanischen Bevölkerung in der Landwirtschaft beschäftigt und trotzdem war das Land nicht in der Lage ausreichend Nahrungsmittel herzustellen. Heutzutage produzieren lediglich 2 Prozent der Arbeitskraft nicht nur ausreichend, sondern sogar zu viel dank neuer Technologien.

Deutsche Bildungs Nachrichten: Und das Bildungssystem?

Der Bildungsbereich ist ein Sektor, der der Einführung neuer Technologien widerstanden hat. Die Menschen innerhalb des Systems haben dieses immer so aufrechterhalten wie es schon immer war. Die Welt wird zu einem globalen Dorf und es entwickelt sich eine Demokratisierung in der Bildung. Es wird Abschied genommen von einem elitären System, das einigen wenigen vorbehalten bleibt. Das kann nur mit der Nutzung neuer Technologien möglich werden.

Früher gab es drei Hauptkriterien für die Qualität der Bildung an Hochschulen: die Lehrenden, die Forschung und die Prüfungen. Im alten System war das so möglich. Heute sind die Arbeitgeber und die Geschäftswelt sehr fordernd. Sie erwarten, dass diejenigen, die das System hervorbringt, vom ersten Tag an produktiv sind. Aus diesem Grund hat sich die Definiton von Qualität von Hochschulbildung geändert. Jetzt brauchen wir einen berufsorientierten Lehrplan, der gemeinsam mit Leuten aus der Wirtschaft konzipiert werden kann und ständig auf den neuesten Stand gebracht wird, denn Wissen ist schnell überholt. Ein Lehrplan, der regelmäßig entwickelt und überarbeitet werden kann, Lernmaterial, das ebenso schnell produziert und überarbeitet werden kann, ein System, das Qualität und Objektivität in seiner Beurteilung und Bewertung gewährleisten kann, um dem Lernenden schnelles und regelmäßiges Feedback zu geben. Ein System, dass erschwinglich, leicht zugänglich und vor allem effizienter ist. Das kann nur durch Technologien und das Internet erreicht werden.

Deutsche Bildungs Nachrichten: Wie sieht der “smart way to learn”, wie sie ihn beschreiben, aus?

Suresh Munbodh: In der heutigen Welt ist Zeit sehr kostbar und wir können es uns nicht leisten, sie zu verschwenden. Veränderungen haben bisher immer viel Zeit in Anspruch genommen. Wenn man sich eine Chemieabschlussprüfung der Cambridge Universität aus den 1860ern anschaut und mit einem von 1960 vergleicht, wird man keinen großen Unterschied erkennen, was bedeutet, dass sich in der Chemie innerhalb eines Jahrhunderts nicht sehr viel geändert hat. Derzeit finden Veränderungen viel zu schnell statt, als dass man einen Lehrplan für fünf Jahre festlegen könnte.

Deshalb benötigen wir einen Rahmenplan, der regelmäßig überarbeitet wird und auch Lernmaterial (keine Bücher), die regelmäßig auf den neuesten Stand gebracht werden. Wichtig ist, dass dieses Material in Zusammenarbeit mit der Geschäftswelt erarbeitet werden sollte.

Beim “smart way to learn” sind Vorlesungen online verfügbar, Feedback auf Fragen ist innerhalb weniger Stunden durch eTutoren möglich, Zugang zu einer eBibliothek, regelmäßige Chatrunden mit Gleichgesinnten, Blogs für Studenten, um Diskussionen zum Thema ihrer Wahl anzuregen. Sofortiges Feedback zu Testfragen, die den Schwierigkeistgrad der Fragen bestimmen, schneller Zugriff auf neue Publikationen, regelmäßige Beobachtung der Lernfortschritte, lokale Unterstützung, um individuelle Probleme zu lösen. In so einem System verschwendet der Student keine Zeit damit, Informationen zu suchen, sondern er ist in der Lage, in kurzer Zeit mehr zu lernen – das ist der clevere Weg zu lernen.

Suresh Munbodh ist internationaler Berater und Geschäftsführer von Global Learning, eine private Hochschuleinrichtung, die rund 25 verschiedene Kurse anbietet und neue Technologien zum effizienten und effektiven Lernen nutzt. Zu seinem Konzept gehört der “smart way to learn”. Außerdem gründete er ein Industrie-und Berufsbildungsboard, das zur ersten Institution für die Koordination und Entwicklung der Ausbildung in Mauritius wurde.

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