Platz 5 der wichtigsten Volkswirtschaften 2050: Standort Türkei wird immer wichtiger

Die „Wirtschaftswoche“ hat sich vielversprechende Wachstumsmärkte angesehen. Unter den Top 10 der wichtigsten Volkswirtschaften für 2050 sieht die Redaktion auch die Türkei. Das Land am Bosporus werde für deutsche Unternehmen immer interessanter. So biete die Türkei nicht nur viele konsumfreudige Käufer direkt vor Ort, sondern sei auch ein ideales „Sprungbrett“ für eine weitere Orientierung gen Osten.

Unter dem Titel „Die Türkei lockt mit fantastischen Möglichkeiten“ lobt die „Wirtschaftswoche“ derzeit das Potential der Türkei. Das Land gehört für die Redaktion neben Indien, Saudi-Arabien, Russland und Iran, Thailand, Kolumbien, Indonesien, Ägypten, China und Malaysia zu den wichtigsten Volkswirtschaften im Jahr 2050.

In ihrem Beitrag stellt Redakteurin Nele Hansen exemplarisch zwei junge Türkinnen in Führungspositionen vor. Die zwei erfolgreichen Frauen, so schreibt sie, stünden für die beiden Seiten, die das Land zwischen Mittelmeer und Schwarzem Meer für deutsche Unternehmen so attraktiv mache. „Studiert und weltgewandt, sind sie ideale Arbeitskräfte, die Firmen (…) erlauben, im ehemaligen Reich der Osmanen auch eine anspruchsvolle Fertigung hochzuziehen. Zugleich sind die beiden potenzielle Käuferinnen westlicher Waren.“ (in der Türkei gibt es mehr Frauen in Führungspositionen als in Deutschland – mehr hier)

Türkei besticht durch ein günstiges Länderprofil

Doch junge, gebildete und vor allem topmotivierte Frauen wie sie sind nur ein Faktor, der das Land derzeit so attraktiv für Unternehmen macht. Insgesamt, so macht der Beitrag klar, besticht die Türkei durch ein günstiges Länderprofil. Die 75 Millionen-Bevölkerung des Landes ist im Durchschnitt noch nicht einmal 30 Jahre alt und hält – dank steigender Einkommen – auch mit ihrer Konsumfreude nicht hinterm Berg. Zudem kann die Türkei derzeit auf Grund einer eingehenden Reform einen stabilen Bankensektor vorweisen. Und auch die geographische Lage ist alles andere als ungünstig. „In drei Flugstunden lassen sich in alle Himmelsrichtungen über 1,5 Milliarden Menschen erreichen.“ (auch die Türkei will sich verstärkt gen Osten orientieren – mehr hier)

Noch ist jedoch nicht alles Gold, was glänzt: Nach wie vor existiert eine hohe Abhängigkeit von ausländischen Energien, die das Leistungsbilanzdefizit weiter nach oben treibt (hierzu äußerte jüngst auch die Ratingagentur Fitch Bedenken – mehr hier) zudem kämpft die Türkei noch immer mit einer hohen Inflation. Für deutsche Unternehmen allerdings kein Hindernis sich nicht gen Bosporus zu orientieren. Ganz im Gegenteil: Knapp 5000 von ihnen hätten bereits direkt in Gebäude und Ausrüstungen im Land investiert. Vor allem diejenigen, die schon länger in der Türkei aktiv wären, profitierten jetzt von ihrem frühen Einstieg. Denn die türkische Wirtschaft habe sich, so beschreibt Redakteur Tim Rahmann, von den Auswirkungen der globalen Finanzkrise 2009 trotz massiver Konjunktureinbrüche (BIP-Wachstum: -4,7 Prozent) relativ schnell erholt. Im Jahr 2010 habe die Türkei mit 8,9 Prozent sogar das größte Wirtschaftswachstum nach China hingelegt und in den ersten neun Monaten von 2011 hätte das Land am Bosporus mit 9,6 Prozent sogar das größte Wirtschaftswachstum vor China erreicht.

Türkei: Das Land der Dienstleistungen

Und wo liegen die Erfolgsgaranten der türkischen Wirtschaft? Einen wesentlichen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung leiste demnach die Leicht- und Schwerindustrie im Westen des Landes. Dort angesiedelte Branchen wie Textil, Fahrzeuge, Chemie, Maschinen, Elektro würden mit rund 25 Prozent zum BIP beitragen. Den Löwenanteil mit gut 60 Prozent habe jedoch der Dienstleistungssektor – Tendenz steigend. Nachholbedarf gibt es hingegen im Osten und Südosten der Türkei. Dort wird das Bild von der Landwirtschaft bestimmt, die im Augenblick zehn Prozent zum BIP beisteuert. In diesem Sektor arbeiteten noch über über ein Drittel der Erwerbsbeschäftigten.

Die angestrebte Richtung in die volkswirtschaftlichen Spitzenpositionen, das wird deutlich, scheint unaufhaltsam. „Bis 2050“, so die Prognose der „Wirtschaftswoche“, „wird die Türkei weiter rasant wachsen. Laut HSBC kann die Türkei mit einem jährlichen Anstieg des BIPs um 4,375 Prozent rechnen und zur elftgrößten Volkswirtschaft der Welt mutieren.“

Türkei braucht mehr Innovation und Fachkräfte

Eines, das macht jedoch David Edgerly, ein ehemaliger Fondsmanager in der Türkei, deutlich, dürfe dabei aber nicht außer Acht gelassen werden. In einem Beitrag für die „Financial Times“ mahnte der Fachmann kürzlich davor, die Hände in den Schoß zu legen. Das Land müsse  aufhören, einfach nur das herszustellen, was andere vorher entwickeln. Um bis zum Jahr 2023 tatsächlich ganz oben mitzuspielen mangle es derzeit vor allem an Innovation (die Türkei müsse über die Grenzen der Fertigung und Erstellung von Designs anderer hinausgehen – mehr hier).

Doch auch das Thema Fachkräfte sollte die Türkei ernst nehmen. Zwar sinken die Arbeitslosenzahlen, die Suche nach qualifizierten Arbeitnehmern geht allerdings unvermindert weiter. Gut 100.000 Stellen warten derzeit auf entsprechendes Personal. Da denkt manch einer auch an die, die das Land teils bereits vor Jahrzehnten verlassen haben (Industrieminister Nihat Ergün will Wissenschaftler zurückholen – mehr hier).

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