Schutz vor Gewalt: Türkei will Frühwarnsystem für Kinder implementieren

Nicht nur im Bemühen, Gewalt gegen Frauen einzudämmen, beschreitet die türkische Regierung derzeit neue Wege. Auch der Schutz von Kindern soll nun stärker vorangetrieben werden. Wie Familienministerin Fatma Şahin ankündigt, werde in der Türkei ein neues System impementiert, das ein frühzeitiges Eingreifen bei gefährderten Kindern ermögliche.

Gemeinsam mit dem Wissenschaftlichen und Technischen Forschungsrat der Türkei (TÜBITAK) sei ein System der „Früherkennung und Frühwarnung“ entwickelt worden, so Ministerin Şahin zu Journalisten auf einer zweitägigen Konferenz zur Bekämpfung von Gewalt gegen Kinder, die gemeinsam von der türkischen Regierung, dem Europarat und UNICEF organisiert wurde.

Betreuer sollen bei Gefahr eingreifen

Das System, so erläutert Şahin weiter, zeige zum Beispiel auf, wie viele Kinder eine bestimmte Familie habe oder welche Ausbildung sie hätten. Den Familien werde dann eine Fachkraft des Familienhilfsprojektes zur Seite gestellt. Diese solle eingreifen, sobald ein Kind in Gefahr gerate (für Frauen startete kürzlich die Testphase der so genannten Panic Buttons – mehr hier).

Laut Şahin solle sich auch die Arbeitsweise in den zuständigen Behörden ändern. Ziel wäre es künftig, Täter und Opfer tunlichst zu trennen. Innerhalb des neuen Systems solle zudem eine Kategoriesierung in Alter und Geschlecht stattfinden. Die Türkei steht mit ihren Bestrebungen erst ganz am Anfang. Eine ordnungsgemäße Dokumentation von häuslicher Gewalt gegen Frauen und Kinder und der Frauen-Todesfälle auf Grund von häuslicher Gewalt begann erst vor gut einem Jahr mit der Gründung eines eigenständigen Familien- und Sozialministeriums (seit kurzem können misshandelte Frauen und Kinder in der Türkei auch ins Zeugenschutzprogramm eintreten – mehr hier).

An der Konferenz nahmen Ayman Abulaban, UNICEF-Vertreter Türkei, Anica Djamic, Botschafterin und ständige Vertreterin Kroatiens beim Europarat, Marta Santos Pais, UN-Sonderbeauftragten zu Gewalt gegen Kinder, die türkische Ministerin für Familie und Soziales Fatma Şahin und schließlich Staatssekretär im Kinder- und Gleichstellungsministerium Ahmad Ghanizadeh teil.

Bundesrepublik setzt auf Bundeskinderschutzgesetz

Der Schritt der Türkei geht zwar in die richtige Richtung, ob er allerdings tatsächlich der Weisheit letzter Schluss ist, bleibt abzuwarten. Immer wieder kommt es auch in Deutschland, trotz vermeintlich guter und engmaschiger Betreuung durch Jugendämter, zu furchtbaren Todesfällen, die von der Öffentlichkeit mit Entsetzen verfolgt werden. Tod durch Verhungern, durch Verdursten, schwerste Misshandlungen – die Liste ist lang. Immer wieder im Fadenkreuz, die Mitarbeiter der jeweiligen Behörde.

Abhilfe schaffen soll hierzulande das seit 1. Januar 2012 befindliche Bundeskinderschutzgesetz. Darin stellt der Bund den Ländern bis 2015 177 Millionen Euro zur Verfügung, um den Aus- und Aufbau von Netzwerken Frühe Hilfen und des Einsatzes von Familienhebammen in den Ländern und Kommunen zu stärken.

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