Türkei: Die Schuluniform ist jetzt Geschichte

An türkischen Schulen ist schon bald Schluss mit dem „Einheitslook“. Bereits ab dem kommenden Schuljahr sind die bisher üblichen Schuluniformen obsolet. Allzu weit geht die neu gewonnene Freiheit für die Buben und Mädchen allerdings nicht.

Eine lässige Jeans oder längere Haare bei den Jungen. Was bisher undenkbar war, wird bereits ab dem kommenden Schuljahr 2013/2014 in türkischen Klassenzimmern Realität. Wie unter anderem die türkische Zaman berichtet, schafft die Türkei die bisher üblichen Schuluniformen ab.

Das bedeutet zwar mehr Freiheiten für die derzeit rund 17 Millionen Schülerinnen und Schüler. Doch gänzlich ohne Einschränkung ist die Kleiderwahl dann doch nicht. Weder dürfen diese zu eng oder auch zu durchsichtig sein. Ohne Ärmel in die Schule? Das geht auch weiterhin nicht. Gleiches gilt für Symbole mit politischen Botschaften. Auch auf den Gesamtzustand der Kleidung muss geachtet werden. Schmutz oder gar Löcher sind tabu. Während der Koran-Wahl-Kurse sollen Mädchen auch ein Kopftuch tragen dürfen, sonst bleibt das Kopftuchverbot weiter bestehen. An Iman-Hatip-Schulen wird das Verbot aufgehoben. (Bildungsminister Ömer Dincer hatte das im Zuge der 4+4+4 Schulreform bereits im vergangenen Frühjahr angekündigt – mehr hier).

Gegner: Unterschiede treten noch stärker zu Tage

Auf Zuspruch stößt die an diesem Dienstag bekannt gegebene Entscheidung des Bildungsministeriums jedoch nicht bei allen. So wird argumentiert, dass die bisher vermeintlich nicht erkennbaren sozialen und wirtschaftlichen Unterschiede durch die freie Kleiderwahl nun verstärkt zum Vorschein treten würden. Ein Argument, dass durch unterschiedliche Schuluniformen, je nach Einrichtung, jedoch schon jetzt leicht widerlegt werden kann. Auch einige Eltern zeigten sich besorgt, dass der Druck auf sie zunehmen könnte, ihre Kinder täglich mit wechselnden und vor allem angesagten, teuren Klamotten in die Schule schicken zu müssen. Für einige Familien, so ihre Sicht, könnte das zu einem echten Problem werden.

Unterstützt wird der Schritt hingegen von Premier  Recep Tayyip Erdoğan. Jeder solle seine Kinder so kleiden, wie er es für richtig halte und es sich leisten könne. All jene, so informiert überdies Unterstaatssekretär im Bildungsministerium Emin Zararsız, die ihre Uniform weiter tragen wollten, könnten dies ohne weiteres tun. Ein Verbot werde es nicht geben.

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