275.000 Lira für ein Kinderleben: Istanbuler Gouverneursbüro muss für Tod eines 6-Jährigen zahlen

Ein Gericht in Istanbul hat jetzt das hiesige Gouverneursbüro sowie das türkische Bildungsministerium für den Tod eines sechsjährigen Kindergartenkindes zur Verantwortung gezogen. Der kleine Junge starb 2010 als ein Waschbecken in der Einrichtung auf ihn stürzte. Nun erhält die Familie 275.000 Lira, rund 119.000 Euro.

Der zum Zeitpunkt des Unglücks sechsjährige Efe Boz ging in den Kindergarten der Dumlupınar Grundschule im Istanbuler Bezirk Maltepe (erst diese Woche wurde entschieden, die Schuluniformen abzuschaffen – mehr hier). Er war, so berichtet die Zeitung Zaman, gerade dabei sich die Hände auf der Schultoilette zu waschen, als das Waschbecken plötzlich zusammenbrach und ihn unter sich begrub. Dabei, so schreibt die Zeitung, wurde eine Arterie durchtrennt. Schnellstmöglich wurde er von seinen Lehrern ins Krankenhaus gebracht. Den Ärzten gelang es jedoch nicht, sein Leben zu retten.

Gegenseite sieht Schuld in Fehlverhalten des Buben

Nach dem Vorfall reichte die Familie des kleinen Buben Strafanzeige beim 6. Istanbuler Verwaltungsgerichtshof ein. Am vergangenen Mittwoch entschied das Gericht nun, dass das Bildungsministerium und das Istanbuler Gouverneursbüro wegen Fahrlässigkeit, die zum Tod des Kindes führte, insgesamt 275.000 Lira an die Hinterbliebenen zu zahlen hätten (bei einem Schulausflug ertranken dieses Jahr sechs Kinder – mehr hier).

„Die Entscheidung kann als ein Präzedenzfall für ähnlich gelagerte Fälle betrachtet werden“, erklärt die Mutter Nurdan Boz den Reportern nach dem Urteil. Die Aussagen der Angeklagten hätten sie besonders getroffen. Die Gegenseite ist der Meinung, dass der kleine Junge auf Grund eigenen Fehlverhaltens zu Tode gekommen war. Wie es überhaupt zu dem tragischen Unfall kommen konnte, ist nicht bekannt.

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