Pläne für 3. AKW in der Türkei: Bulgarien will Antworten

Bulgarien erwartet von der türkischen Regierung weitere Details zu einem geplanten dritten Atomkraftwerk. Die Anlage könnte offenbar nur wenige Kilometer von der bulgarischen Grenze entfernt errichtet werden. Noch scheint allerdings nichts entschieden.

Der Bau der ersten Antriebseinheit des Kernkraftwerks in Akkuyu soll im Jahr 2019 abgeschlossen sein. Die Planungen für eine zweite Anlage in der nördlichen Provinz Sinop laufen bereits auf Hochtouren (derzeit gibt es wohl vier Bieter – mehr hier). Die Türkei hält, trotz des Ausbaus Erneuerbarer Energien, strikt an ihrem Atomkurs fest. Bisher war unklar, wo eine im Gespräch befindliche dritte Anlage entstehen könnte. Schon seit einiger Zeit halten sich jedoch Spekulationen, wonach die Stadt İğneada in der Schwarzmeerregion nahe der bulgarischen Grenze in Betracht kommen könnte. Und so wie es aussieht, hat es mit der bulgarischen Regierung bereits erste Gespräche zu diesem Thema gegeben.

„Wir haben über die Möglichkeit des Baus eines thermischen oder Kernkraftwerks in einem Bereich nahe İğneada diskutiert“, so der bulgarische Präsident Rosen Plevneliev während einer Pressekonferenz mit seinem türkischen Amtskollegen Abdullah Gül. „Jetzt warten wir auf weitere detaillierte Informationen und Lösungen zu diesem Thema.“

Türkei und Bulgarien: Energiefragen ganz oben auf der Agenda

Nach Angaben von Gül, so schreibt die türkische Hürriyet, hätte der Fokus der Gespräche mit dem bulgarischen Präsidenten in der Tat auf dem Thema Energie gelegen. Mit Blick auf mögliche Nuklear- oder Gas-Projekte, so der Präsident weiter, sollten jedoch auch Fragen des Umweltschutzes in Betracht gezogen werden. Die Unterstützung Bulgariens signalisierte Plevneliev derweil für das Pipeline-Projekt TANAP (die Pipeline soll vom Osten der Türkei von ihrer Grenze zu Aserbaidschan nach Westen zu ihrer Grenze mit Bulgarien verlaufen – mehr hier).

Das türkisch-bulgarische Handelsvolumen beträgt derzeit fast drei Milliarden Euro. In Zukunft, so Gül, solle dieser Wert auf zehn Milliarden gesteigert werden. Die beiden Länder arbeiten bereits in mehreren Bereichen zusammen. Darunter etwa Infrastruktur, Autobahnen, Schienennetz und Erdgas-Pipeline-Projekte. Türkische Firmen, fordert der bulgarische Präsident auf, sollten weiter in Bulgarien investieren. So sei man zum Beispiel froh, dass türkische Unternehmen großes Interesse vor allem im Telekommunikationsbereich zeigen würden.

Trotz massiver Kritik aus dem In- und Ausland will die Türkei, die bisher über kein eigenes AKW verfügt, in Zukunft auch auf Kernkraft setzen. „Die Nutzung von sicheren, günstigen und umweltfreundlichen Energiequellen ist ein Grundpfeiler unserer Entwicklungsstrategie“, so der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan bereits im März dieses Jahres auf dem Nukleargipfel in Seoul. Die Türkei werde entschieden ihr ehrgeiziges Atomenergieprogramm weiterführen. Das erste Ziel sei dabei für 2030 gesteckt. In diesem Jahr „wird die Türkei in der Lage sein, zehn Prozent des Elektrizitätsbedarfs aus Atomenergie zu beziehen.“(Greenpeace empfiehlt der Türkei auf alternative Energien zu setzen – mehr hier).

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