Warum Finnland das beste Bildungs-System der Welt hat

Während die Leistung deutscher Schüler an den Schulnoten gemessen wird, gibt es in Finnland gar keine Prüfungen in den ersten sechs Jahren. Und doch schneiden diese im weltweiten Vergleich am besten ab. Die Vorteile des finnischen Bildungssystems sind evident. Der Erfolg beruht auf ein paar einfachen Grunderkenntnissen.

Das finnische Bildungssystem ist dem Rest der Welt um einiges voraus. Das bestätigte nun auch ein Ranking der Economist Intelligence Unit (EIU). Demnach stellte sich bei einem Vergleich von Werten wie internationaler Prüfungsresultate und Abschlussnoten zwischen 2006 und 2012 heraus, dass Finnland unangefochten an der Spitze in Sachen Bildung steht.

Das finnische Bildungssystem unterscheidet sich maßgeblich von denen anderer europäischer Länder. Besonders verbreitet ist im Westen ein stark zentralisiertes System, das vor allem eins ist: prüfungsorientiert. In den ersten sechs Jahren der Schulzeit werden Prüfungen in Finnland allerdings weitgehend vermieden.

Den ersten verbindlichen Test legen die Schüler erst mit 16 ab – und doch schneiden sie beim internationalen Vergleich immer besser ab. In Finnland wird in kleinen Klassen unterrichtet, in naturwissenschaftlichen Fächern sind nicht mehr als 16 Schüler in einem Raum. Das Schuleintrittsalter liegt erst bei sieben Jahren. Beobachter sind der Ansicht, dass das auch Gründe hat, die über das Schulsystem hinausgehen. Chancengleichheit ist in der finnischen Bildungspolitik mindestens genauso wichtig wie die Leistung der Schüler.

Zudem wird viel in den Lehrer investiert. Der Status des Lehrerberufs unterscheidet sich stark. So ist es oft schwerer, einen Lehramts-Studienplatz zu erhalten als ein Jura- oder Medizinstudium zu beginnen. Nur vier Stunden am Tag verbringen Lehrer in Finnland in den Klassenzimmern zum Unterrichten. Zwei Stunden in der Woche müssen sie mit „persönlicher Weiterbildung“ verbringen.

Leistungsdruck ist wiederum in der Türkei ein Riesenthema. Kürzliche Überlegungen besondere außerschulische Kurse zum Bestehen von Übertritts- bzw. Hochschuleingangsprüfungen abzuschaffen, sorgten für großen Unmut (zeitweise wurde daraus sogar ein Twitter-Trend – mehr hier). Denn: Um in der Türkei den Eintritt in eine Universität oder auf ein Elite-Gymnasium zu schaffen, ist für die meisten der Gang in eine spezielle Förderschule, die so genannte Dershane, obligatorisch. Gegen eine Gebühr von gut 800 Euro monatlich, für eine gute Einrichtung, wird der Zusatzunterricht von türkischen Jugendlichen zumeist am Wochenende besucht, um das auszugleichen, was von öffentlichen Schulen unter der Woche nicht geleistet wurde und so letztlich die Aufnahmeprüfung für ein Studium oder für eine weiterführende Schule zu bestehen.

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