Jobmarkt Türkei: Allein 170.000 ausländische Bewerbungen über das Internet in 2012

Noch vor 50 Jahren schickte die Türkei Tausende Arbeitskräfte ins ferne Deutschland. Jetzt haben sich die Vorzeichen umgekehrt: Nun gilt offenbar die Türkei als das gelobte Land für Jobsuchende auf der ganzen Welt. Allein über das Internet hat die Türkei in diesem Jahr mehr als 170.000 Bewerbungen erhalten.

Zu Tausenden strömten türkische Arbeitskräfte in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts nach Deutschland und andere europäische Länder, um eine Anstellung zu finden und in nicht wenigen Fällen sogar für immer ein neues Leben zu beginnen (im vergangenen Jahr wurden 50 Jahre Anwerbeabkommen gefeiert – mehr hier).

Heute gestalte sich die Situation, so berichtet die türkische Zeitung Sabah, jedoch genau andersherum. Auf Grund der in den vergangenen Jahren zusehends wachsenden türkischen Wirtschaft und einer ebenso zügig rückläufigen Arbeitslosenquote, gilt nicht wenigen nun die Türkei als bevorzugter Anlaufpunkt.

Einzelhandel, Textilbranche und Finanzwesen sehr beliebt

Menschen, die der Krise in Europa oder den USA den Rücken kehren, aber auch Menschen, die dem Chaos im Nahen Osten entfliehen möchten, würden ihr Heil mittlerweile in der Türkei suchen. Dort hielten sie Ausschau nach Job-Möglichkeiten und würden auch verstärkt untereinander konkurrieren. Denn: Im Vergleich zum Vorjahr sei  die Zahl der Ausländer, die eine Anstellung in der Türkei suchten, um ganze 40 Prozent gestiegen. Lebensläufe erreichten türkische Unternehmer demnach vor allem aus Bulgarien, Deutschland, Aserbaidschan, der Türkischen Republik Nordzypern und Frankreich. Begehrt seien vor allem Job im Einzelhandel, in der Textilbranche und im Finanzwesen.

Wie das Job-Vermittlungs-Portal Secretcv.com vor kurzem bekannt gab, hätten dieses Jahr 170.000 ausländische Bewerber ihre Lebensläufe dort eingereicht. Laut Secretcv.com General Manager Okan Tütüncü gäbe es auch eine hohe Nachfrage von amerikanischen, russischen, britischen und niederländischen Staatsangehörigen (in London werden die Türkisch-Kurse gestürmt – mehr hier). „Seit 2009 haben wir ein zunehmendes Interesse an der Türkei beobachten können. Dies zeigt, dass die ausländischen Direktinvestitionen deutlich die Beschäftigung betreffen.“

Bewerber meist zwischen 26 und 30 Jahren

Laut von Secretcv.com erstellten Daten suchten zehn Prozent aller ausländischen Bewerber eine Position im Verkauf, sieben Prozent in den Bereichen Marketing, 6,7 Prozent im Außenhandels und sechs Prozent im Bereich Human Ressources. Darüber hinaus attraktiv erschienen Rechnungswesen, Personalwesen, Informationstechnologie und Produktion. Gut 34 Prozent der Kandidaten – und damit der Großteil – sei zwischen 26 und 30 Jahre alt.

Positiv zu dieser Entwicklung beigetragen habe nach Ansicht von Reha Abi, Gründer und General Manager von Baraka Consulting, das Upgrade der türkischen Bonität. Auch die Anstrengungen der Textilbranche würden sich jetzt auszahlen. Fortschritte in Sachen Design plus Investitionen von Einzelhandelsketten in der Türkei hätten das Land zu einer hervorragenden Anlaufstelle für diese Branche gemacht. Mittlerweile ziehe das Land junge Designer aus Spanien, Italien und den nordeuropäischen Staaten an, die ihr Talent nun in der Türkei einbrächten.

Insgesamt, so Müge Yalçın, von MY Executive, sei die gesamte Entwicklung aber in erster Linie auch der Mentalität der jungen Leute weltweit geschuldet. Diese hätten die Türkei in den vergangenen Jahren genau beobachtet und würden sich nun fragen, ob sie nicht selbst eine Chance dort hätten. Sie hätten mehr Mut, wenn es ums Arbeiten im Ausland gehe.

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