Abdullah Gül: Historie ist in TV-Serien herzlich willkommen

Nur wenige Tage, nachdem sich der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan kritisch über historische Darstellungen in einer beliebten TV-Serie geäußert hat, schaltet sich nun Präsident Abdullah Gül ein. Er begrüßt das Einbringen von Geschichte in TV-Shows und Filmen. Derzeit debattiert die türkische Öffentlichkeit, ob die Darstellung der Geschichte durch künstlerische Kreise die gesellschaftlichen Vorstellungen über bestimmte historische Ereignisse und Figuren verzerren könnten.

„Die Tatsache, dass historische Ereignisse oder Menschen in Filmen oder TV-Serien behandelt werden, ist eine willkommene Entwicklung“, so der türkische Präsident Abdullah Gül während der jährlichen Verleihung der präsidialen Auszeichnungen für Kultur und Kunst am vergangenen Donnerstag.

Nach Ansicht Güls sei die Geschichte, vor allem die Zeit des Osmanischen Reiches, in den letzten Jahren verstärkt zu einem Gegenstand der Neugier und des Interesses für die Menschen geworden. Aus diesem Grund würden auch immer häufiger historische Ereignisse und Figuren in TV-Serien, Filmen und Geschichten dargestellt. „Es ist wichtig, Lehren aus der Geschichte zu ziehen. Ein türkisches Sprichwort sagt: ‚Geschichte wiederholt sich.’“

„Muhteşem Yüzyıl“ spaltet die Türkei

Die jüngste Debatte über historische Stoffe im türkischen Fernsehen kam durch Bemerkungen des türkischen Premiers Recep Tayyip Erdoğan auf, der sich kritisch über die Kult-Sendung „Muhteşem Yüzyıl“ äußerte. Seit Beginn ihrer Ausstrahlung spaltet das Format die Nation (es gab auch ein Ermittlungsverfahren wegen vermeintlicher Beschädigung historischer Stätten – mehr hier). Die einen empfinden die Darstellungen als zu freizügig und zudem nicht immer historisch korrekt. Die anderen erfreuen sich einfach an den Geschichten rund um Sultan Süleyman. Auch Erdoğan vertritt die Ansicht, dass die Serie das goldene Zeitalter der türkischen Geschichte untergräbt und das Bild von Sultan Süleyman dem Prächtigen, der von seiner Krönung im Jahre 1520 bis zu seinem Tod im Jahre 1566 regierte, verzerrt wiedergebe.

Erdoğan bringt erstmals die Justiz ins Spiel

Vor einigen Tagen attackierte er nun nicht nur die Produzenten der Sendung, sondern auch den ausstrahlenden TV-Sender. „So einen Kanuni kennen wir nicht. Er verbrachte 30 Jahre seines Lebens auf dem Pferderücken. Ich verurteile öffentlich die Direktoren der Show und die Besitzer des Fernsehsenders. Wir haben die Behörden davor gewarnt. Ich erwarte von der Justiz, die richtige Entscheidung zu treffen.“

Neu sind derartige Stimmen von politischer Seite zwar nicht, doch es ist das erste Mal, dass Erdoğan die Justiz zur Sprache bringt (den Arm der Justiz hat bereits der bekannte Komponist Fazil Say zu spüren bekommen – mehr hier). Das Ergebnis: Erneut ist eine große Kontroverse über freie Meinungsäußerung in der Türkei entfacht.

https://www.youtube.com/watch?v=PBxXN3HyBcg

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