Häusliche Gewalt in der Türkei: Rund 11.000 Frauen in staatlicher Obhut

Insgesamt 10,958 türkische Frauen haben im Jahr 2012 zusammen mit 2,338 Kindern Zuflucht vor Gewalt oder gewalttätigen Ehemännern in Frauenhäusern gefunden, die durch den Staat betrieben werden. Dies geht aus aktuellen Zahlen des Ministeriums für Familie und Sozialpolitik hervor. Mit der Bereitstellung einer Unterbringung ist es jedoch nicht getan.

Gut 11.000 Frauen haben sich in diesem Jahr in staatliche Frauenhäuser gerettet. Im Vergleich zum Jahr 2011 seien das gut 3,000 Frauen mehr (8,610). Das berichtet die türkische Zeitung Zaman (mittlerweile werden geschundene Frauen und Kinder auch ins türkische Zeugenschutzprogramm aufgenommen – mehr hier).

Die Unterkünfte, die offiziell als Gästehäuser bekannt sind, wurden im Jahr 1990 eröffnet, um Hilfe für Opfer von häuslicher verbaler, emotionaler, wirtschaftlicher, sexueller oder körperlicher Gewalt zu bieten. Die Einrichtungen sind darum bemüht, die Frauen derart zu stärken, dass sie am Ende wirtschaftliche Unabhängigkeit erlangen können und helfen auch bei der Lösung psychologischer oder soziale Probleme mit denen sich die Hilfesuchenden konfrontiert sehen. Darüber hinaus existieren auch Kooperationen mit den hiesigen Anwaltskammern sowie lokalen Arbeits- und Ausbildungs-Direktionen, die professionelle Ausbildungs-und Beschäftigungsmöglichkeiten für die Opfer von körperlicher Gewalt anbieten.

Ziel des Ministeriums: Pro Provinz mindestens ein Frauenhaus

Derzeit, so berichtet das Blatt weiter, arbeite das Ministerium gerade am Ausbau der Infrastruktur, um sicherzustellen, dass in jeder türkischen Provinz mindestens eine dieser Zufluchtsstätten vorhanden sei. Mit Stand vom 19. November betrug die Anzahl der Häuser 76. Das sind 48 mehr als noch im Jahr zuvor. 2012 konnten für 176 der 10,958 Frauen zudem neue Arbeitsplätze organisiert werden. 75 weitere konnten ein neues, unabhängiges Leben beginnen. 440 kehrten zu ihren Partnern zurück. 574 gingen wieder zu ihrer Familie, nachdem die Probleme mit Eltern oder Geschwistern gelöst werden konnten.

Vorbeugende Maßnahmen gegen häusliche Gewalt und Missbrauch sind in der Türkei durch das Gesetz 6284 über die Verhütung von Gewalt gegen Frauen geregelt. Unter diesem Gesetz wurden nun 14 neue Zentren zur Gewaltprävention und Überwachung (ŞÖNİM) geschaffen. Weitere seien von Seiten des Ministeriums bereits geplant. Bis Ende 2013 soll auch davon jeweils eines in jeder Provinz zu finden sein (vor kurzem startete auch die Testphase für die so genannten Panic Buttons – mehr hier).

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