Vorstoß in Paris: Europas erste Homosexuellen freundliche Moschee eröffnet

Am vergangenen Freitag hat sich in Frankreichs Hauptstadt Paris ein bedeutsamer Schritt für homosexuelle und transsexuelle Gläubige vollzogen. Dort, in einem Außenbezirk der Millionenstadt, wurde die erste Moschee geöffnet, die sich explizit an sie richtet. Der Gründer, Ludovic-Mohamed Zahed, war einst Salafist und hat nun den gegenteiligen Weg eingeschlagen.

Ins Leben gerufen wurde die Moschee von dem 35-jährigen Franzosen algerischer Herkunft, Ludovic-Mohammed Zahed. Er ist auch der Gründer des mittlerweile weltweit vernetzten Verbands Homosexueller Muslime Frankreichs (HM2F) und setzt sich seit längerem für einen „offenen Islam“ ein, so berichtet unter anderem das Portal ansa.it.

Beten im Verborgenen: Moschee von außen nicht zu erkennen

Der Ort der Anbetung, so heißt es weiter, sei nun auf einem Grundstück, das einem homosexuellen buddhistischen Mönch gehöre, zu finden, und läge in der Nähe von Vincennes, Val-de-Marne Park im Südosten der französischen Hauptstadt. Aus Angst vor Attacken werde die genaue Adresse allerdings nicht öffentlich gemacht. Ohnehin sei das Gebäude von außen nicht als Moschee zu erkennen. Auf Facebook sei die Nachricht von der Eröffnung ebenfalls zurückgezogen worden. Dort hatte es bereits verbale Angriffe gegeben. Dabei habe Zahed nur ein Ziel, einen Ort zu schaffen, den er bisher nicht gefunden hatte, nämlich: „ in einer Moschee beten, in der er sich als homosexueller Muslim willkommen fühlt“, zitiert ihn hierzu Zeit Online (in der Türkei kam es vor kurzem zu einem Mord, weil ein Jugendlicher homosexuell war – mehr hier).

Zahed schreibt über Vereinbarkeit von Islam und Homosexualität

Am vergangenen Freitagabend seien dort nun das erste Mal Gebete abgehalten worden. Durchgeführt wurde das Ganze von einem Imam, der auch zun HM2F gehöre. Männer und Frauen dürfen hier übrigens gemeinsam und nicht getrennt voneinander beten. Zahed selbst, der sich als Jugendlicher einer Gruppe ultrakonservativer Salafisten angeschlossen hatte, ist übrigens, anders als in vielen muslimischen Ländern verbreitet, davon überzeugt: Homosexualität, die werde an keiner Stelle des Korans verboten. Jetzt, so informiert Zeit Online weiter, schreibe er sogar eine Doktorarbeit über die Vereinbarkeit von Islam und Homosexualität an der Pariser École des Hautes Études en Sciences Sociales. Seinen Freund hat er bereits geheiratet (im Januar 2012 entschied ein türkisches Berufungsgericht: Homosexuelle als „perverse“ zu beschreiben, hat nichts mehr mit Pressefreiheit zu tun – mehr hier).

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