Integrationsministerin Bilkay Öney: „Die interkulturelle Öffnung der Landesverwaltung ist keine Wohltat für Migranten, sondern schlichte Notwendigkeit“

Auf Einladung des Ministeriums für Integration haben sich am vergangenen Montag im Stuttgarter Neuen Schloss 200 Gäste über das Thema Diversity und interkulturelle Öffnung in Baden-Württemberg informiert. Zu den Referenten des Kongresses „Leben in kooperativer Vielfalt“ gehörte auch Integrationsministerin Bilkay Öney. Ihre Botschaft: Der öffentliche Dienst könne sich dem Wettbewerb um kluge Köpfe nicht entziehen.

Im Südwesten der Bundesrepublik leben derzeit rund 2,8 Millionen Menschen mit Zuwanderungsgeschichte, informiert das Ministerium für Integration Baden-Württemberg. Das entspreche 26 Prozent der Bevölkerung. Allerdings spiegele sich dieser Anteil nicht in der Verwaltung wider. Nur etwa zehn Prozent der Landesbediensteten hätten einen Migrationshintergrund. Ein Umstand, der so nicht hinnehmbar ist. „Es geht nicht darum, Migranten zu bevorzugen. Sie sollen aber auch nicht benachteiligt werden“, erklärt hierzu Integrationsministerin Bilkay Öney im Rahmen der Veranstaltung in Stuttgart. Maßgebliche Kriterien für die Bewerberauswahl müssten nach wie vor die Eignung, Leistung und Befähigung der Personen sein. „Wir streben die interkulturelle Öffnung an, weil wir uns selbst einen Vorteil davon versprechen. Mehr Effizienz und Bürgernähe.“

Baden-Württemberg spricht über 200 Sprachen

Die Zuwanderung, so das Ministerium in einer entsprechenden Erklärung weiter, habe dazu geführt, dass heute in Baden-Württemberg mehr als 170 Nationalitäten leben und über 200 Sprachen gesprochen würden (Sevim Dagdelen, migrationspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE, kritisierte kürzlich die Zweckentfremdung von Geldern, die eigentlich für Integrationskurse gedacht waren – mehr hier). Damit die Landesverwaltung leistungsstark bleibe, müsse sie künftig Vielfalt noch besser abbilden. „Die öffentliche Verwaltung“, betont Öney,„ muss sich als Dienstleister an den sich wandelnden Bedürfnissen und Erfordernissen der Gesellschaft orientieren.“ Dieses Ziel sei sowohl im Koalitionsvertrag der grün-roten Landesregierung festgeschrieben, als auch mit dem am 15. November 2012 erfolgten Beitritt des Landes zur „Charta der Vielfalt“ dokumentiert (unterzeichnet haben Ministerpräsident Winfried Kretschmann und Staatsministerin Dr. Maria Böhmer – mehr hier). „Ich freue mich, dass sich das Land als Arbeitgeber dazu verpflichtet, Vielfalt wertzuschätzen, zu fördern und gewinnbringend einzusetzen“, sagte Öney.

Wettbewerb um kluge Köpfe hat sich verschärft

Hinzu komme, dass Talente und Hochqualifizierte heute ganz selbstverständlich von ihren Arbeitgebern eine Kultur der Toleranz, der Offenheit und der Vielfalt erwarteten. Globalisierung und Demografie verschärften den Wettbewerb um kluge Köpfe. „Dem kann sich der öffentliche Dienst nicht entziehen. Interkulturelle Öffnung ist schlichte Notwendigkeit“, mahnt die Integrationsministerin an.

Das Ministerium für Integration hat bereits mehrere Projekte angestoßen, um die interkulturelle Öffnung voranzubringen. So unterstützt das Ministerium ein Projekt des baden-württembergischen Volkshochschulverbandes, das auch durch den Europäischen Integrationsfonds mitgetragen wird. Inhalt sind über 50 Kurse zur Vermittlung interkultureller Kompetenz in den Städten und Gemeinden. Das Ministerium fördert daneben ein weiteres Projekt mit dem Landesverband des Deutschen Roten Kreuzes. Konkret geht es hier um die interkulturelle Öffnung des Kreisverbands Göppingen sowie des Mehrgenerationenhauses in Schwäbisch Gmünd. „Wir erhoffen uns aus der Initiative Erkenntnisse darüber, wie sich Vereine und Verbände an eine sich verändernde Gesellschaft anpassen können“, erklärt hierzu Ministerin Öney.

Das Integrationsministerium bietet zudem Schulungen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus den Ministerien und Regierungspräsidien an. Ziel dieser Fortbildungen ist es, Beschäftigte für das Thema zu sensibilisieren. So gibt es zum Beispiel eine Kooperation zur interkulturellen Öffnung der Landespolizei sowie mit Sozialministerin Katrin Altpeter eine Kampagne, die bei Migranten um den Einstieg in Pflegeberufe werbe. Im Zuge der Veranstaltung machte die Ministerin zudem klar, dass die interkulturelle Öffnung der Landesverwaltung nicht über die Köpfe der Bediensteten hinweg, sondern vielmehr gemeinsam mit allen Akteurinnen und Akteuren geplant und umgesetzt werde. Dazu trifft sich Mitte Januar 2013 erstmals eine interministerielle Arbeitsgruppe, um konkrete Maßnahmen zu erarbeiten.

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