Unruhen in Syrien: Russland und die Türkei können sich nicht einigen

Russland und die Türkei kommen hinsichtlich des krisengebeutelten Syrien nicht auf einen Nenner. Wie der russische Präsident Wladimir Putin, der am Montag zu Gesprächen mit dem türkischen Premier Recep Tayyip Erdogan in Istanbul eingetroffen ist, erklärte, habe man sich nicht auf eine gemeinsame Antwort an das Regime Assad einigen können.

„Russland und die Türkei können im Augenblick keine gegenseitige Annäherung darüber finden, wie  man der Situation in Syrien begegnen kann. Unsere Einschätzung der Situation ist allerdings völlig einhellig“, zitiert Al Jazeera Putin während einer Pressekonferenz mit Erdogan am vergangenen Montag im Dolmabahçe Palast in Istanbul. Demnach habe der türkische Premier Erdogan Präsident Putin darum ersucht, die russische Unterstützung für das Regime Assad zu beenden, was Putin jedoch abgelehnt habe (eigentlich wollte der Premier den Präsidenten in die Pflicht nehmen – mehr hier).

Die türkischen Spannungen hatten sich zuletzt im Oktober zugespitzt, nachdem das türkische Militär eine aus Moskau kommende syrische Maschine in Ankara zur Landung zwang, weil diese vermeintlich unerlaubte Waffen für das syrische Regime an Bord gehabt haben soll. Nun erklärte Erdogan allerdings, dass der russische und der türkische Außenminister in der Syrienfrage künftig noch enger zusammenarbeiten würden.

Russland: Patriot-Raketen verschärfen die Situation

Uneinigkeit herrscht darüber hinaus auch über die NATO-Anfrage der Türkei auf die Stationierung von Patriot-Raketen. Russland vertritt die Ansicht, dass ein solcher Schritt die Situation in der Region nur noch verschärfen könne, in den dann auch der Westen hineingezogen würde. Diese Befürchtungen wiederholte Putin nun auch während der gemeinsamen Pressekonferenz. Die Stationierung der Luftabwehrgeräte würde nicht zu einer Deeskalation beitragen – ganz im Gegenteil. Die Sorgen der Türkei verstehe man allerdings (Russland setzt auf inter-syrischen Dialog – mehr hier).

Die Differenzen zwischen den beiden Staatsmännern bringt auch Putins Sprecher Dimitri Peskov auf den Punkt:  „Die Türkei vertritt die Position, dass das Regime Assad abtreten sollte. Wir sagen, wenn Assad geht, dann wird sich die Zahl der Flüchtlinge in der Türkei von Zehntausende auf Hunderttausende erhöhen. Es wird eine Regierungslücke und viel Blutvergießen auf den Straßen geben.“

Der russische Besuch in der Türkei wurde von Protesten vor dem Büro Erdogans begleitet. Auch vor dem russischen Konsolat, so Al Jazeera, wurde demonstriert.

Russland und Türkei bauen Wirtschaftsbeziehungen aus

Nichtsdestotrotz konnten auch Einigungen erzielt werden. So leiht Russland der Türkei ganze 22 Milliarden US-Dollar für den Bau des ersten Atomkraftwerks. Daneben wurden elf Handelsabkommen geschlossen. In den kommenden Jahren solle das Handelsvolumen zwischen beiden Ländern auf 100 Milliarden Dollar verdreifacht werden.

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