E.ON zieht es in die Türkei: Deutscher Energiekonzern erwirbt 50 % von Enerjisa

Den deutschen Energieversorger E.ON zieht es auf den türkischen Strommarkt. Das Unternehmen hat mit einem Asset-Tausch 50 Prozent am türkischen Konzern Enerjisa erworben. Partner ist die türkische Sabanci-Gruppe, die das Gemeinschaftsunternehmen Enerjisa 2007 mit dem österreichischen Energiekonzern Verbund gegründet hatte. Letztere ziehen sich nun zurück.

„Der deutsche Energiekonzern Eon übernimmt im Rahmen eines Asset-Tauschs den Hälfteanteil an Enerjisa und gibt Anteile an acht Wasserkraftwerken in Deutschland ab“, so berichtet unter anderem das Portal finanzen.net. „An diesen Kraftwerken war Verbund bereits beteiligt. Mit der Transaktion hält er dann 100 Prozent.“ Die entsprechenden Verträge, so heißt es weiter, seien am vergangenen Montag unterzeichnet worden.

Wie E.On-Chef Johannes Teyssen nun ankündigte, solle Enerjisa bis zum Jahr 2020 mindestens zehn Prozent am türkischen Erzeugermarkt halten. Das entspricht rund 8,000 Megawatt (MW) Leistung. Bewerkstelligt werden solle das durch den Bau neuer Kraftwerke. Derzeit liegt der Anteil bei vier Prozent. Enerjisa besitzt eine Kapazität von 1,700 MW, 2.000 MW befinden sich im Bau und weitere 1.500 MW in der Entwicklung.

E.ONs Schritt gen Türkei ist bereits seit längerem geplant gewesen. Anfang des Jahres, so informiert die Nachrichtenagentur Reuters, habe man sich zudem in Brasilien umgetan und sich dort mit zehn Prozent am brasilianischen Versorger MPX Energia S.A. beteiligt. Er gehört zur EBX-Gruppe des Milliardärs Eike Batista (derweil geht der Gold-Gas-Handel zwischen der Türkei und dem Iran weiter – mehr hier).

E.ON: Türkei hat interessante Perspektive

„In der Türkei haben wir genau das gefunden, was wir wollten – einen stabilen Wachstumsmarkt, mit einer interessanten Perspektive und einen hervorragender Partner, der gut etabliert ist“, zitiert Reuters Johannes Teyssen weiter. E.ON ist vom Atomausstieg Deutschlands bis zum Jahr 22 unmittelbar getroffen. Um die stagnierende Nachfrage in Westeuropa auszugleichen, sehe sich der Konzern nun auf den schnell wachsenden Energiemärkten um. Als Teil des Enerjisa-Deals werde der deutsche Konzern nun bis zum Jahr 2015 150 bis 200 Millionen Euro jährlich investieren.

Die türkische Wirtschaft war im vergangenen Jahr mit 8.5 Prozent die am schnellsten wachsende in ganz Europa. Damit einher ging auch ein Anstieg des Gesamtenergieverbrauchs um 9.2 Prozent auf 118,8 Millionen Tonnen Öläquivalent im Jahr 2011. Der jährliche Strombedarf der Türkei liegt bei etwa 210 Terawattstunden (TWh). Bis 2023 erwartet die türkische Regierung eine Steigerung um sechs bis neun Prozent jährlich (2050 gehört die Türkei zu den Top 5 der wichtigsten Volkswirtschaften – mehr hier).

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