Türkische Pässe in der Tasche: Iranische Spione in Libyen verhaftet

Im libyschen Trabulus wurden sechs mutmaßliche iranische Geheimagenten verhaftet. Die Männer sollen mit türkischen Pässen ausgestattet gewesen sein, um im Land mit möglichst viel Wohlwollen aufgenommen zu werden. Besonders dreist: Zwei der Dokumente waren auf Frauen ausgestellt.

Die sechs mutmaßlichen iranischen Geheimagenten, so berichtet derzeit die türkische Hürriyet, waren aber nicht nur hinsichtlich der in den Pässen ausgewiesenen Geschlechter äußerst nachlässig. Die in den Papieren gezeigten Personen seien nach Angaben der libyschen Behörden zudem viel jünger gewesen, als diejenigen, die die Dokumente mit sich führten. Mittlerweile seien zwei Agenten zum Verhör durch die libyschen Behörden gebracht worden. Auch die iranische Botschaft wurde über den Vorfall informiert. Diese habe nun bestätigt, dass es sich bei den Verhafteten in der Tat um iranische Bürger handle.

Warum die vermeintlichen Agenten gerade auf türkische Pässe zurückgriffen, hatte nach eigenen Angaben einen ganz bestimmten Grund: Die verhafteten Personen gaben demnach an, sie hätten sich als türkische Bürger ausgegeben, um wohlwollend von den Einheimischen empfangen werden zu können (Libysche Verletzte wurden in türkischen Krankenhäusern behandelt – mehr hier, die Türkei hilft Libyen zudem finanziell und gibt Knowhow weiter – mehr hier).

Türkei – Libyen: Freundschaftliche Verbindung seit den 70ern

Schon Anfang des Jahres wurden unter anderem Appelle an türkische Geschäftsleute aus Libyen laut, wieder ins Land zurückzukehren. Das Land betrachtet die Türkei als modellhaft in der gesamten Region. Die freundschaftlichen Verbindungen zwischen der Türkei und Libyen reichen bereits in die 70er Jahre zur Zeit der Besetzung Nordzyperns zurück. Seither wurden auch türkische Bauherren zu einem wichtigen Standbein innerhalb der libyschen Auslandsgeschäfte und das trotz des späteren Zustroms der Chinesen, Russen und einigen anderen. Kurz vor dem Aufkommen der Unruhen in Libyen betrug das bilaterale Handelsvolumen zugunsten der Türkei 2,4 Milliarden Dollar. Beide Länder verzichteten zugunsten des Handels auch auf Reisevisa (diese Vorgehen will der türkische EU-Minister Egemen Bağış auch in Europa sehen – mehr hier).

USA wollen „Gold für Gas-Spiel“ mit Teheran beschneiden

Was die iranischen Spione in Libyen vorhatten ist bisher nicht bekannt. Derweil sind jedoch die türkisch-iranischen Beziehungen in den letzten Tagen verstärkt ins internationale Blickfeld gerückt. Denn während die USA weitere Sanktionen gegen den Iran vorantreibt, die unter anderem auch das Ende „des Spiels der Türkei Gold gegen Gas“ bedeuten sollen, laufen die türkisch-iranischen Geschäfte offenbar munter weiter. Wie Daten aus dem Oktober belegen, flossen erneut Exporte im Wert von mehr als einer Milliarde Dollar in die Islamische Republik. Die USA wollen Ankaras „Gold für Gas-Spiel“ mit Teheran beschneiden und Iran weiter isolieren.

Gemäß dem vom US-Senat gebilligten Sanktionspaket dürften Unternehmen fortan keine Geschäftsverbindungen mit iranischen Energieunternehmen, Seehäfen, der Handelsflotte oder Schiffbau-Werften mehr aufnehmen. Personen, die dem Iran Produkte wie Graphit, Aluminium, Stahl für den Schiffsbausektor und Nuklearanlagen verkauften oder lieferten, sollten bestraft werden. Das Paket, so heißt es weiter, sehe auch Maßnahmen gegen den Verkauf und Transfer von wertvollen Bodenschätzen an den Iran vor (auch die Vereinigten Arabischen Emirate und jüngsten Gerüchten zufolge sogar die Schweiz, sollen in den Gas-Gold-Deal verwickelt sein – mehr hier).

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