Nicht besonders kreativ: Türkische Halkbank kupfert bei britischer Telekom-Werbung ab

Dass Kreative ebenso wie Otto-Normalverbraucher geprägt sind von der schillernden Werbelandschaft, die sie 24 Stunden am Tag umgibt, ist kein Geheimnis. Vermeintlich neue Ideen werden in der Ideenfindungsphase nicht selten als „bereits dagewesen“ enttarnt. Manchmal fällt der Fauxpas zunächst allerdings nicht auf. Vielleicht sogar bewusst?

Die türkische Zeitung Hürriyet hat in einer direkten „Video-Gegenüberstellung“ einem ziemlich dreisten Fall von Ideenklau bekannt gemacht. Konkret geht es um die türkische Halkbank und einen T-Mobile-Spot. Sequenz für Sequenz geht das Medium die beiden Werbeclips durch. Diese Ähnlichkeiten, das merkt selbst der einfache Zuschauer schnell, können kein Zufall sein. Die dunkelhaarigen Protagnositinnen gleichen sich bis ins Detail. Auch wenn ihre Kleider in anderen Farben erstrahlen. Bewegungen und Handlungen laufen im Direktvergleich nahezu simultan ab: Der Blick aus dem Fenster, wühlen im Kleiderschrank, dann der harte Schnitt – Aufzug, Motorrad, los geht die rasante Fahrt. Die türkischen Werbetreibenden haben sich offenbar nicht die geringste Mühe gemacht, auch nur minimal vom Storyboard des Originals abzuweichen.

Ideen, Lehren und Theorien sind nicht geschützt

Fälle dieser oder ähnlicher Art gibt es häufiger als man denkt. Über den Weg gelaufen ist ihnen wahrscheinlich jeder schon einmal. Doch kann eine Idee überhaupt geschützt werden? „Urheberrechtlich sieht es bescheiden aus. Ideen, Lehren und Theorien, auch wenn sie in geschützten Werken enthalten sind, sind urheberrechtlich nicht geschützt“ informiert die Kanzlei Dr. Damm & Partner, die vor gut zwei Jahren mit einem gleichgearteten Fall hierzulande betraut war. Ideen, verweisen die Fachleute auf die entsprechende Literatur, müssten frei sein und frei bleiben, wenn die geistige Auseinandersetzung nicht unmöglich gemacht werden solle. Nur die Form, in die sie ihr Schöpfer gegossen habe, sei für ihn urheberrechtlich geschützt.

Werbestrategie der Halkbank „komplett original“

Und was sagt man in der Türkei zu der ganzen Sache? Hier werden die Hände in Unschuld gewaschen. Auf Nachfrage der Hürriyet erklärte Necati Özkan, Leiter der Werbeagentur Öykü, die den Spot für die Halkbank in Auftrag gegeben hatte, dass der Fehler auf die Produktionsfirma zurückgehe. „Wir haben ihnen unsere Strategie und unsere Absicht erklärt und haben ihnen anschließend einen gewissen Freiraum gegeben“, so Özkan. Vorgabe sei lediglich eine Frau mit Motorrad gewesen. Erst nach Ausstrahlung habe die Agentur Öykü bemerkt, dass es eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem T-Mobile Spot gebe. Özkan verstehe nicht, warum die Produktionsfirma ihn nicht selbst darauf aufmerksam gemacht habe. Er betonte allerdings, dass die geplante Werbestrategie der Halkbank „komplett original“ sei. Seine Agentur habe aus dem Vorfall gelernt und werde in Zukunft vorsichtiger sein.

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