Ministerin Bilkay Öney: „Wissenschaft und Forschung stellen die Debatte zum Thema Integration auf eine sachliche Grundlage“

Anlässlich des Symposiums „Integrationspolitik im internationalen Vergleich“ am vergangenen Dienstag in Freiburg hat Bilkay Öney, Ministerin für Integration, eine Versachlichung der Integrationsdebatte gefordert. Kaum ein Politikfeld sei ideologisch so aufgeladen wie das der Migration und Integration. Ideologische Scheuklappen würden bei den drängenden Fragen der Integration aber nicht weiterhelfen.

Das Symposium „Integrationspolitik im internationalen Vergleich“ fand in Kooperation mit dem Freiburger Netzwerk für Migrationsforschung, dem Arnold-Bergstraesser-Institut für kulturwissenschaftliche Forschung, dem Colloquium politicum der Universität Freiburg und dem Ministerium für Integration statt. Anlass für diese Zusammenkunft, so Ministerin Öney, sei das Landesjubiläum, 60 Jahre Baden-Würrtemberg gewesen. Dies solle dazu genutzt werden, um mehr über die Integrationspolitik in verschiedenen Bundesländern, Partnerregionen Baden-Württembergs und anderer Staaten zu erfahren.

Zusammenhalt der Gesellschaft muss bestehen bleiben

Ihrer Ansicht nach, so heißt es hierzu in einer entsprechenden Mitteilung des Ministeriums in Stuttgart, habe die Bevölkerung ein Anrecht auf eine pragmatische, sachgerechte und chancenorientierte Migrations- und Integrationspolitik. Ob Menschen nach Deutschland und Baden-Württemberg kommen dürften oder ob sie hier integriert werden sollten, darum gehe es längst nicht mehr. Heute sei vielmehr das Wie entscheidend. Und das sei gar nicht so schwer: „Wir müssen uns darum kümmern, dass der Zusammenhalt der Gesellschaft bestehen bleibt, auch wenn sich ihre Zusammensetzung durch Zuwanderung
ändert.“

Das bedeute Öney zufolge dreierlei. Zum einen, dass die Gesellschaft grundsätzlich offen für Zuwanderer sein oder werden müsse. Zum anderen, dass die Zuwanderer Teil dieser Gesellschaft werden wollten. Und schließlich gehe es darum, dass beide Teile sich als Ganzes verstehen. Öney hierzu: „Dafür ist es notwendig, dass sich das Land als aufnahmebereite Gesellschaft und nicht als Abstammungsgemeinschaft versteht.“ (als Medium der Verständigung versteht sich auch Migazin – mehr hier)

Studie „Gelebte Vielfalt“ liefert Ansatzpunkte

Um als Land erfolgreich zu sein und entsprechend einwirken zu können, brauche es jedoch auch einer wissenschaftlichen Expertise. Hierzu gebe es eigene Studien, die Vergabe von Forschungsaufträgen und nicht zuletzt das landesweite Netzwerk Integrationsforschung. „Wissenschaft und Forschung stellen die Debatte zum Thema Integration auf eine sachliche Grundlage“, macht Öney deutlich.

So zeigt zum Beispiel die vom Ministerium erarbeitete Studie „Gelebte Vielfalt“ wie die Stimmung derzeit in Baden-Württemberg ist (auch Vereine engagieren sich entsprechend – mehr hier). Demnach stören zwei Drittel der Baden-Württemberger weder fremde Sprachen, der Bau von Moscheen oder das Tragen von Kopftüchern. Ebenfalls zwei Drittel der Bürgerinnen und Bürger würde zudem nicht erwarten, dass Zuwanderer ihre kulturelle oder religiöse Lebensweise aufgeben. 74 Prozent der Baden-Württemberger sähen außerdem in Zuwanderern keine Gefahr für die christlichen Werte und Traditionen. Ergo, so Öney, sei auch hier nicht das Ob, sondern das Wie ausschlaggebend.

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