Microsoft: Türkei ist der zweitgrößte Pirateriemarkt nach China

Microsoft hat seine Märkte hinsichtlich der Software-Piraterie analysiert. Das Ergebnis: Die Türkei liegt hinter China gleich an zweiter Stelle. Zudem hat sich das Land aus den Top 20 Märkten des US-Giganten verabschiedet.

Für die Leistung anderer zu bezahlen, das sei nach Ansicht von Branchenfachleuten noch nicht in den türkischen Köpfen angekommen. (Foto: peru, lili eta marije/flickr)

Für die Leistung anderer zu bezahlen, das sei nach Ansicht von Branchenfachleuten noch nicht in den türkischen Köpfen angekommen. (Foto: peru, lili eta marije/flickr)

Obschon die Türkei derzeit die 17. größte Volkswirtschaft der Welt ist, steht sie bei einem Unternehmen derzeit nicht so hoch im Kurs: Microsoft. Hier folgt die Türkei Ländern wie Südafrika, dem Nahen Osten und Afrika und liegt in Sachen Marktgröße insgesamt nur auf Platz 25. Das erklärte Tamer Özmen, Chief Executive Officer von Microsoft Türkei, der Nachrichtenagentur Reuters.

Fast ganz an die Spitze hat es die Türkei jedoch unter einem anderen Gesichtspunkt geschafft: „In Sachen Software-Piraterie auf den Microsoft-Märkten folgt die Türkei direkt auf China.“

Türkische Gesellschaft muss umdenken

Die Türkei sei, so Özmen, ein Land, das nicht gerne für Arbeit bezahle. Während das eigene Eigentum geschützt werde, sei es durchaus akzeptiert, das anderer zu nutzen ohne dafür entsprechend zu entlohnen – und das selbst auf Unternehmensebene. Das bedürfe einer gesellschaftlichen Wende.

Wie die türkische Zeitung Hürriyet weiter informiert, läge nach jüngsten Daten der Business Software Alliance die Rate an illegal verwendeter Software in der Türkei derzeit bei 62 Prozent, was einem Marktwert von geschätzten 526 Millionen US-Dollar entspräche. Diese Zahlen rücken die Türkei in den Kontext der größten Ländern in Bezug auf Software-Raubkopien, nämlich China, Russland, Indien, Indonesien und Argentinien.

Abgeschrieben hat Microsoft den türkischen Markt aber nicht. So habe das Unternehmen laut Özmen großes Interesse daran, in das türkische Fatih-Projekt einzusteigen, im Zuge dessen herkömmliche Schultafeln und Lehrbücher durch elektronische Boards und Tablet-PCs ersetzt werden sollen (auch der ehemalige Google-Chef und Obama-Berater Eric Schmidt hat sich mit dem türkischen Premier darüber unterhalten – mehr hier).

iTunes Stores in der Türkei gestartet

Und auch Microsofts größter Konkurrent Apple ist in der Türkei auf dem Vormarsch. Wie das Unternehmen jüngst bekannt gab, hat Apple seine iTunes Stores nun auch in der Türkei nebst 55 weiteren Ländern gestartet (erst kürzlich wurde ein weiteres türkisches Smartphone-Spiel in den Store aufgenommen – mehr hier).  Mit diesem Schritt wird die Präsenz von iTunes mit einem Mal geradezu verdoppelt. In 119 Ländern stehen die Angebote nun zur Verfügung. Erst in der vergangenen Woche hatte das Unternehmen iTunes 11 vorgestellt. Unter den neuen Ländern auf der iTunes-Karte befindet sich übrigens auch Russland. Und das steht wiederum auf der Intellectual Property Alliance ‘Priority Watch List’ ganz oben.

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