RTÜK: Simpsons-Strafe soll Kinder, nicht Gott schützen

Wenige Tage nach Bekanntwerden der hohen Geldstrafe für einen türkischen Privatsender, der eine bestimmte Folge der beliebten US-Serie „Die Simpsons“ ausgestrahlt hat, bezieht nun auch der Oberste Rat für Hörfunk und Fernsehen in der Türkei (RTÜK) Stellung. Der Behörde sei es hier allein um die Kinder gegangen, die die Sendung ansehen, und nicht um Blasphemie.

Wie Davut Dursun, Vorsitzender des Obersten Rates für Hörfunk und Fernsehen in der Türkei (RTÜK) nun erklärt, habe die jüngste Entscheidung, dem türkischen Privatsender CNBC-E eine Strafe in Höhe von fast 23.000 Euro aufzubrummen, weil der die Halloween-Episode „Treehouse of Horror XXII“ inklusive der Geschichte „Dial D for Diddly“ ausgestrahlt hatte, nichts mit der fragwürdigen Darstellung von Gott als Diener des Teufels zu tun gehabt.

Vielmehr, so zitiert ihn die türkische Zeitung Hürriyet, sei dieser Schritt ganz klar zum Schutz von Kindern gedacht gewesen (der Fall wurde Anfang der Woche bekannt – mehr hier).

RTÜK fürchtet negativen Einfluss auf Kinder

„Wir wollten die Kinder, nicht Gott schützen“, so Dursun in einer Erklärung im Vorfeld seines Auftritts auf der „Medien und Humor“-Konferenz. Das Ansehen des Aufschlitzens einer Kehle, fährt der RTÜK-Chef fort, das Zerschneiden eines Körpers in kleine Stücke und die Ermutigung zum Mord könnten sich negativ auf die Kleinen auswirken. Er unterstrich, dass RTÜK mit seiner Entscheidung nicht die US-Serie selbst abstrafen wolle. Hier gehe es schlicht um den Sender, der die Folge ausgestrahlt habe und das zu einer Zeit, zu der auch Kinder vor dem Fernseher sitzen könnten.

Der Oberste Rat für Hörfunk und Fernsehen in der Türkei (RTÜK) begründete seine Strafe gegen den Privatsender CNBC-E damit, dass sich in der besagten Folge über Gott lustig gemacht werde, sie junge Menschen zu Gewalt ermutige, indem sie Morde als Teil von Gottes Ordnung darstelle und obendrein dazu auffordere am Silvesterabend Alkohol zu trinken. „Einer der Charaktere missbraucht den Glauben eines anderen, um diesen zu Morden aufzurufen. In einer Szene wird sogar öffentlich eine Bibel verbrannt und Gott und der Teufel werden in menschlichen Körpern gezeigt“, heißt es in dem Bericht von RTÜK weiter. In einer anderen Szene würde Gott dem Teufel einen Kaffee servieren, was durchaus als eine Beleidigung religiöser Überzeugungen angesehen werden könne.

Debatte um „Bir Şarkısın Sen” entfacht

Erst im vergangenen September hatte sich die türkische Familienministerin Fatma Şahin in die öffentliche Debatte um eine türkische Casting-Show eingeschaltet. Der Vorwurf an die Macher: Die teilnehmenden Kinder seien zu jung und würden ausgenutzt. Auch nach Ansicht der Ministerin sei es unmöglich, Sendungen zu genehmigen, die Kinder ausnutzen würden, um höhere Einschaltquoten zu generieren. Allerdings sieht sie auch die TV-Zuschauer zuhause in der Pflicht. Neu entflammt war die Debatte mit der Wiederaufnahme der umstrittenen TV-Show „Bir Şarkısın Sen”, die schon 2009 für Zündstoff in der türkischen Öffentlichkeit sorgte. Die von ATV ausgestrahlte Sendung bringt Kinder im Alter zwischen sechs und 15 Jahren auf die Bühne, die dort in Erwachsenen-Manier Titel bekannter türkischer Stars vortragen (die Ministerin appellierte im Zuge dessen auch an die Zuschauer – mehr hier).

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