Hilfe für syrische Flüchtlinge: Türkei führt Debit Cards ein

Syrischen Flüchtlingen in der Türkei wird künftig die Versorgung mit Lebensmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs erleichtert. Hierzu erhalten die Menschen spezielle und mit einem gewissen Betrag aufgeladene Debit Cards. Mit diesen können sie Waren in einem Supermarkt beziehen. Das Schlangestehen vor einem LWK mit Hilfsgütern ist passé.

Das experimentelle Projekt, so berichtet die türkische Zeitung Hürriyet, werde gemeinsam vom UN World Food Programme (WFP) und dem türkischen Roten Halbmond koordiniert. Tausende von Flüchtlingen, die dem tobenden Konflikt in ihrer Heimat entflohen sind, erhalten nun besondere Karten anstatt Boxen mit einer Grundversorgung (angekündigt wurde das Vorhaben bereits im vergangenen September – mehr hier).

„Wir haben mit dem Kartensystem begonnen, weil es die Würde der Menschen achtet und den syrischen Flüchtlingen auf eine weniger eklatante Weise Hilfe verspricht“, so Ahmet Lutfi Akar, Leiter des Türkischen Roten Halbmonds, zur Nachrichtenagentur AFP. Dieser Weg, so Akar, weiter, sei um einiges besser. Denn jetzt hätten die Leute eine Wahl und könnten im Supermarkt das auswählen, was sie brauchen und was ihnen auch schmeckt.

e-card-Projekt soll bis Mitte 2013 ausgeweitet werden

Laut WFP würden mit Stand von Ende November dieses Jahres nahezu 22.000 Flüchtlinge von dem neuen Projekt namens „Food e-card“ profitieren. Eingeführt wurde die neue Regelung im Öncüpınar Camp an der südlichen Grenze in der Provinz Kilis, einem der größten Flüchtlingslager mit mehr als 13,000 Personen. Daneben wird das Projekt auch in mehreren anderen Lagern in der benachbarten Provinz Hatay umgesetzt. Eine Ausweitung sei, so WFP-Regionaldirektor Daly Belgasmi, geplant. Bis Mitte 2013 sollen rund 100.000 Menschen einbezogen werden.

Die in den Flüchtlingslagern ausgegebenen Karten sind mit 80 Lira, umgerechnet rund 45 Euro, pro Monat aufgeladen. Diese Summe sei nach Angaben von türkischen Offiziellen ausreichend für eine ausgewogene Ernährung. Die Karten selbst kommen von der türkischen Halkbank und funktionieren nur in Zusammenhang mit einem Fingerabdruck. Eingesetzt werden können sie jedoch nur in bestimmten Geschäften einer privaten türkischen Kette. Zudem ist der Konsum mit gewissen Einschränkungen verbunden. Schokolade und Zigaretten sind nicht erlaubt. Alkohol wird ohnehin nicht verkauft.

Einsatz der Karten bald in Jordanien oder im Libanon?

In der Türkei halten sich offiziellen Zahlen zufolge derzeit mehr als 120.000 syrische Flüchtline auf. Schätzungen gehen jedoch von annähernd 200.000 aus. Von dem Projekt erhoffen sich WFP und Türkischer Roter Halbmond nicht nur Hilfe für die Flüchtlinge, sondern auch einen Schub für die regionale Wirtschaft. Das ganze Projekt könnte Vorbildfunktion haben und später auch in Jordanien und dem Libanon eingesetzt werden (im Libanon ist die Lage äußerst angespannt – mehr hier).

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