Zweites türkisches AKW: Geht der Zuschlag an China?

Wer wird am Bau des zweiten türkischen Kernkraftwerks in der Schwarzmeer-Region beteiligt? Die Entscheidung darüber soll noch in diesem Jahr fallen. Ganz vorne mit im Rennen ist derzeit China. Das gab der türkische Energieminister Taner Yıldız bekannt. Gleichzeitig machen sich jedoch Bedenken über die Sicherheit chinesischer Anlagen breit.

China, so zitiert Reuters den türkischen Energieminister Taner Yıldız am vergangenen Donnerstag auf dem Kaspischen Forum 2012 in Istanbul, bringe seine eigene Finanzierung des Projekts mit und verlange keine Treasury Garantie. Das Land wolle allerdings eine Beteiligiung an besagter Anlage.

Neben China haben sich auch Kanada, Südkorea und Japan am Angebotsprozess um das Kernkraftwerk in Sinop beteiligt. Bis zum Jahresende soll nun entschieden werden, wer das Rennen letztendlich gemacht hat. Der Zuschlag für das erste AKW in der südtürkischen Provinz Mersin ging bereits an die russische Rosatom. Moskau hat jedoch bereits signalisiert, sich an weiteren Bauten beteiligen zu wollen.

Bis 2023 insgesamt drei türkische AKWs

Gelegenheit dafür könnte es durchaus geben. Denn wie Industrie- und Handelsminister Mehmet Zafer Çağlayan am 5. Dezember signalisierte, sollen allein bis 2023 insgesamt drei AKWs gebaut werden (Erdoğans Ziel bis 2030: Zehn Prozent der Elektrizität aus Atomenergie beziehen – mehr hier). Das Angebot der Chinesen sei überdies sehr ernst zu nehmen. Zwei von vier Bietern seien, so verkündete Yıldız bereits im November, demnach besonders interessant.

Zuletzt in den Bieterprozess stieß Kanada. Südkorea will es hingegen auf Grund von Finanzierungsschwierigkeiten gemeinsam mit den Vereinigten Arabischen Emiraten versuchen. Nach der Katastrophe von Fukushima im März 2011 dürfte Japan hingegen eher mit eigenen Sorgen beschäftigt sein. TEPCO, die Erbauer der Anlage in Diiachi sind bereits ausgestiegen, um Platz für andere japanische Bieter zu machen.

Klage gegen AKW in Mersin geplant

Doch ob China wirklich eine gute Wahl ist, das wird, so berichtet das Medium weiter, von einigen Fachleuten ernsthaft bezweifelt. Sie hätten massive Sicherheitsbedenken. Vor allem, weil die Chinesen eine veraltete Technologie nutzen würden. Widerstand regt sich auch innerhalb der Bevölkerung. So habe „Platform Against Nuclear“ angekündigt, Klage gegen das AKW in Mersin einzureichen. Der Vorwurf: Der gesamte Entscheidungsprozess um die Anlage sei antidemokratisch und rechtswidrig verlaufen. Niemals würde ein solcher Bau einer Umweltverträglichkeitsprüfung standhalten, obendrein externalisiere er die ansäßige Bevölkerung (das türkische Volk nimmt gerade nach Fukushima die Risiken sehr ernst – mehr hier).

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