Einmischung ins TV-Programm: Türkische Regierung will „Das prächtige Jahrhundert“ verbieten

Serienfiguren müssen heiraten, Sender, die bestimmte Folgen einer US-Comic-Serie ausstrahlen werden abgestraft und jetzt droht sogar ein komplettes Verbot eines Formats. Offenbar setzt die türkische Regierung derzeit alles daran, die beliebte türkische Serie „Das prächtige Jahrhundert“ aus dem TV zu verbannen - und das per Gesetz.

Dank des türkischen Premiers Recep Tayyip Erdoğan ist die seit vergangenem Jahr laufende Serie „Muhteşem Yüzyıl“ („Das prächtige Jahrhundert“) in der türkischen Öffentlichkeit das Gesprächsthema Nummer eins. Schon öfter war das Format in der Vergangenheit wegen seiner Darstellung kritisiert worden (Historiker liefen wegen ungenauer Kriegsszenen Sturm – mehr hier). Ende November hat nun Erdoğan selbst den mahnenden Zeigefinger erhoben. Er beschuldigte die Macher erneut, historische Tatsachen zu verzerren und hofft seitdem auf juristische Schritte. Das es sich dabei um eine Serie handelt, die keinerlei dokumentarischen Anspruch erhebt, ist ihm offenbar egal.

Gesetzesentwurf gegen Demütigung historischer Personen

In der Tat gab es bereits mehrmals Aufrufe an den Radio- und Fernsehrat (RTÜK), die Serie zu verbieten (eine Darstellerin erhielt sogar Todesdrohungen – mehr hier). Und auch Recep Tayyip Erdoğan wird derzeit nicht müde, seine Kritik immer und immer wieder zu wiederholen. Jetzt scheint das offenbar zu gelingen und sich die ultrakonservative Linie der Regierung auch in der Unterhaltungsbranche zu manifestieren. Denn wie die türkische Hürriyet an diesem Freitag berichtet, lege die regierende AKP gerade den Grundstein für ein Gesetz, das für die entsprechende Serie ein Verbot zur Folge haben werde. Wie der AKP-Abgeordnete von Istanbul Oktay Saral erklärte, ziele das neue Gesetz darauf ab, Demütigungen historischer Personen oder Verdrehungen realer Tatsachen zu verbieten. Abgedeckt seien durch diesen Entwurf auch Fiktionen. Die Serie sei schon länger Teil der Tagesordnung, so Saral. Die Partei erhalte seit Beginn der Serie unzählige Zuschriften, die ein Verbot fordern. Grund sei, dass den Kindern durch die Serie „falsche Tatsachen“ beigebracht würden. Die MHP und auch einige Abgeordnete der führenden Oppositionspartei, der CHP, würden den Entwurf unterstützen, erklärte er.

Völlig auf Linie mit der Regierungspartei befindet sich derzeit bereits die türkische Fluglinie Turkish Airlines. Diese, so schreibt ebenfalls die Hürriyet, habe die Serie im Zuge der Äußerungen von Erdoğan bereits vorsorglich auf allen Inlandsflügen geblockt. Eigentlich, so heißt es von Seiten THY zur Zeitung, habe man „Muhteşem Yüzyıl“ zeigen wollen, nun aber seine Meinung auf Grund der negativen Einschätzung des Premiers geändert. Weiter laufe, so das Medium, hingegen die Werbung für die Serie im türkischen Bordmagazin. Dieses sei nach Angaben der Fluggesellschaft bereits verteilt worden. Die Einschätzungen Erdoğans seien danach erfolgt.

RTÜK schreitet wegen Simpsons-Folge ein

Erst zu Beginn der Woche sorgte eine Entscheidung des Obersten Rats für Hörfunk und Fernsehen in der Türkei (RTÜK) für internationales Aufsehen als der den privaten türkischen Fernsehsender CNBC-E  mit fast 23.000 Euro Bußgeld für die Ausstrahlung einer Halloween-Folge der US-Serie „Die Simpsons“ abstrafte (angeblich sei das zum Schutz der Kinder geschehen – mehr hier). Im Mai sorgte die TV-Aufsicht für Schlagzeilen, als Drehbuchautoren dazu gezwungen wurden, der „wilden Ehe“ ihrer Protagonisten ein Ende zu bereiten. Konkret ging es um Zeynep und Ozan aus der beliebten türkischen TV-Serie “1 Erkek 1 Kadın”, deren “Lotterleben” auf Druck des RTÜK, der die Serie seit längerem im Visier hatte, mit einer Hochzeit der Gar ausgemacht werden musste. Die Behörde warf den Autoren vor, das Publikum zu außerehelichen Affären zu ermutigen. Außerdem wird das zusammenlebende Paar oft als sexuell aktiv dargestellt. Einen ähnlichen Kunstgriff gab es übrigens auch in der bekannten Serie “Behzat Ç.,”. Dort wurde der Hauptdarsteller schließlich auch mit seiner langjährigen Freundin verheiratet.

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