AKP-Abgeordneter: „Muhteşem Yüzyıl“ verschwindet 2013 aus dem TV

Seit Ende letzter Woche ist bekannt: Die regierende AKP arbeitet an einem Gesetzesentwurf, um die beliebte türkische TV-Serie „Muhteşem Yüzyıl“ von den Bildschirmen zu verbannen. Und jetzt könnte alles ganz schnell gehen. Schon 2013, so die Einschätzung eines AKP-Abgeordneten, würden die Geschichten über das Leben des osmanischen Sultans Süleyman der Vergangenheit angehören. Wenn das Parlament den Vorstoß tatsächlich durchwinkt.

Wie der AKP-Abgeordnete Oktay Saral der türkischen Presse erklärte, habe er dem Parlament eine parlamentarische Petition für ein Gesetz vorgelegt, die das Ende des beliebten Historiendramas „Muhteşem Yüzyıl“ bedeuten würde. Der Vorschlag, so berichtet die türkische Hürriyet, würde schon Anfang 2013 im Parlament diskutiert werden. Saral und seine Partei gibt sich unterdessen schon jetzt „siegessicher“: „2013 wird die Ausstrahlung von ‚Muteşem Yüzyıl‘ verboten werden.“

Aufgebracht worden war die jüngste Debatte über die polarisierende Serie vom türkischen Premier Recep Tayyip Erdoğan. Er stieß sich an der Darstellung des Lebens des Sultans, die seiner Ansicht nach völlig verzerrt wäre. Kritik dieser Art wurde in der Vergangenheit schon mehrmals, auch von ihm laut, nun forderte er jedoch erstmals juristische Schritte, welche von der führenden Oppositionspartei CHP strikt abgelehnt werden (auch der türkische Präsident Abdullah Gül kann nichts Schlechtes daran finden – mehr hier).

Erdoğan soll Gesetzesentwurf nicht angestoßen haben

Nach Angaben von Oktay Saral sei das Thema jedoch schon seit längerem auf der Agenda der Regierungspartei und hätte nichts mit der aktuellen Diskussion um Erdoğan zu tun. „Wir machen diesen Vorschlag nicht auf Grund seiner Äußerungen. Das Ganze ist auf unserer Tagesordnung, weil wir seit langem Beschwerden aus der Öffentlichkeit erhalten.“ Darüber hinaus wies Saral darauf hin, dass sein Vorschlag auch Unterstützung unter den Mitgliedern der Oppositionsparteien, vor allem bei der MHP, als auch in der CHP gefunden habe.

Auch diesmal werden Familie und Kinder vorgeschoben, um die eigenen Vorstellungen mit salonfähiger Argumentation durchzudrücken. So sei der aktuelle Gesetzesvorschlag nach Meinung Sarals wegweißend für hiesige Filmemacher und zeige ihnen, wie TV-Formate in Übereinstimmung mit der türkischen Familienstruktur und den vorherrschenden moralischen Vorstellungen zu gestalten seien ohne die türkischen Kinder und die Jugend zu demütigen (auch im Falle der Simpsons wurde jüngst derart argumentiert – mehr hier).

Turkish Airlines pariert auch ohne neues Gesetz

Schon vor dem Inkrafttreten des Gesetzes zeigt sich bereits die türkische Fluggesellschaft Turkish Airlines (THY) voll auf Linie mit dem jüngsten erz-konservativen Bestrebungen der AKP und hat die Serie vorsorglich aus dem Programm an Bord aller Inlandsflüge genommen. Einzig in den Bordmagazinen sei diese noch vorhanden, da diese vor den kritischen Äußerungen des Premies gedruckt und verteilt wurden (Die Türkei unternimmt überdies erneut den Versuch, Kritiker wie Fazil Say mundtot zu machen – mehr hier).

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