UNESCO Weltkulturerbe-Liste: Türkei hat ihre Einträge verdoppelt

In dem Bemühen, die historischen Reichtümer des Landes für künftige Generationen zu bewahren, hat das türkische Ministerium für Kultur und Tourismus seine Arbeiten intensiviert, um mehr islamische oder Stätten alter Zivilisationen auf die UNESCO-Weltkulturerbe-Liste zu bringen. Mit Erfolg: In den vergangenen drei Jahren haben sich die Einträge zumindest auf der Tentativliste mehr als verdoppelt.

In den vergangenen zwei Jahren, so berichtet die türkische Zeitung Zaman, sei es der Türkei gelungen, zwei kulturell wertvolle Stätten auf der UNESCO-Weltkulturerbe-Liste zu platzieren: Zum einen handle es sich dabei um die 2011 hinzugefügte Selimiye-Moschee und der umliegende Komplex. Çatalhöyük, ein Ort aus der Jungsteinzeit sei 2012 dazugekommen. Doch vielleicht noch wichtiger in diesem Zusammenhang sei die Tatsache, dass es der Türkei in den vergangenen drei Jahren gelungen sei, 20 weitere historische Stätten auf die vorläufige Weltkulturerbe-Liste (Tentativliste), die als Sprungbrett zum dauerhaften Eintrag gilt, zu bringen. Damit, so das Blatt weiter, befänden sich dort nunmehr 37 historische Stätten aus der Türkei, wovon allein zwölf in diesem Jahr dazu gekommen wären. Alles in allem, so das Fazit, habe die Türkei ihren Bestand dort in den vergangenen drei Jahren somit verdoppeln können.

Türkei rüstet sich für weitere UNESCO-Eintragungen

Remzi Yağcı, Leiter der Abteilung für Museologie an der Universität in Izmir, hält große Stücke auf die Anstrengungen, die durch das Ministerium für Kultur und Tourismus in den letzten Jahren unternommen wurden. Er glaubt allerdings auch, dass das Potential der Türkei noch viel größer sei. „Nachdem die Restaurierung zahlreicher Ruinen im gesamten Land abgeschlossen und die Museen in diesen Ruinen eröffnet sind, hat die Türkei eine sehr gute Chance, die Zahl ihrer historischen Stätten auf der vorläufigen Liste deutlich zu erhöhen“, so der Fachmann zur Zeitung.

Derzeit hat die Türkei elf Standorte auf der UNESCO-Weltkulturerbe-Liste, doch das Potenzial des Landes ist viel größer. So hat der Minister für Kultur und Tourismus, Ertuğrul Günay, kürzlich während einer Parlamentssitzung erklärt, dass ihm eine chinesische Reiseleiterin vor einigen Jahren bei einem Besuch in Pamukkale erklärt habe, dass die Türkei mit mindestens 30 Standorten vertreten sein und sich das Land entsprechend stärker engagieren sollte (auch Schüler haben sich bereits damit auseinandergesetzt – mehr hier). Immerhin hätten Länder wie Frankreich, Italien und Deutschland rund 40 Standorte auf der Liste. Immerhin: Mit dem Eintrag der Selimiye Moschee wurde nun das erste Mal ein Werk des großen Architekten der osmanischen Zeit, Mimar Sinan, in die Liste aufgenommen. Der Minister ist zudem ist zuversichtlich, dass Alanya, das im Jahr 2000 auf die vorläufige Liste gesetzt wurde, bei der nächsten Weltkulturerbe-Sitzung im nächsten Jahr dauerhaft aufgenommen werde (in der Tat scheinen die Chancen gut zu stehen – mehr hier). Ephesus, Pergamon und die historische Altstadt von Bursa, sollten nach Ansicht von Günay folgen.

Seit Amtsantritt von Günay werden Ziele stärker verfolgt

Erst seit dem Amtsantritt von Günay im Jahr 2007 engagiert sich die Türkei wieder verstärkt auf diesem Gebiet. Zuvor gab es derartige Bestrebungen, vielleicht auf Grund vorherrschenden Pessimismusses, nicht. Mehr als Lippenbekenntnisse gab es jedenfalls nicht. Jetzt scheint sich das Blatt langsam zu wenden. Die antike Stadt Aphrodisias, die sich in der Provinz Aydın befindet, wurde 2009 für die vorläufige Liste vorgeschlagen, ebenso die antiken Städten der lykischen Zivilisation in den Provinzen Antalya und Muğla, die antiken Städte Perge (Antalya) und Sagalassos (Burdur). Göbeklitepe in Şanlıurfa, vermutlich der weltweit älteste Tempel, schaffte es 2011 auf die vorläufige Liste. Und Pergamon in Izmir, Namensgeber für das weltweit renommierte Museum in Berlin, wurde im Jahr 2011 ebenfalls für die Tentativliste vorgeschlagen. Vorher hatte man noch nicht einmal daran gedacht.

Nun geschehe das Ganze mit System. Es gäbe Bewirtschaftungspläne für die historischen Stätten, Bewerbungsunterlagen werden sorgfältig erstellt.

Bereits geschafft haben es folgende elf Stätten:

Göreme National Park und die Felsen von Kappadokien

Große Moschee und Krankenhaus von Divriği

Historische Bereiche von Istanbul

Hattuscha: die hethitischen Hauptstadt

Berg Nemrut

Hierapolis-Pamukkale

Xanthos-Letoon

Die Stadt Safranbolu

Archäologische Stätte von Troja

Selimiye Moschee

Neolithische Anlage von Çatalhöyük

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