Massaker von Uludere: Hinterbliebene fordern Gerechtigkeit

Fast genau ein Jahr nach dem Bombardement von Uludure, das insgesamt 34 Menschen das Leben kostete, fordern die Hinterbliebenen nun eine Bestrafung der Verantwortlichen. Diejenigen, die hinter dem Angriff steckten, sollten vor Gericht gestellt werden. Sie verlangen nach einem Signal, dass der Staat doch auf ihrer Seite steht.

Den 28. Dezember 2011 werden die Bewohner des kleinen Dorfes Uludere an der türkisch-irakischen Grenze in der Provinz Şırnak wohl niemals vergessen. Türkische Kampfjets bombardierten eine Gruppe von Schmugglern, die man fälschlicherweise für Mitglieder der Terrororganisation PKK gehalten hatte. 34 Zivilisten aus den Ortschaften Ortasu, Gülyazı und Ortabağ, teils fast noch Kinder, starben. Die Ereignisse sorgten in der gesamten Türkei für einen Aufschrei. Doch wer genau für die Tragödie verantwortlich ist, wurde bis heute nicht eindeutig geklärt (Den Hinweis auf die verdächtige Gruppe hat offenbar der US-Geheimdienst an die Türkei gegeben – mehr hier).

Anfang dieses Jahres zahlte die Regierung allen Familien der Opfer je 123.000 Lira Entschädigung (eine bisherige Rekordsumme – mehr hier). Eine Entschuldigung für den Angriff wurde jedoch abgelehnt und man verwies darauf, dass die gezahlte Summe als solche gelten könne. Genug ist das allerdings nicht. Anlässlich des ersten Jahrestages der Ereignisse sprachen Angehörige des 16-jährigen Yüksel Ürek, der damals ums Leben kam, mit der türkischen Zeitung Zaman. Die Forderung, die Vater Abdurrahman formuliert, ist eindeutig: „Der Staat sollte diejenigen, die den Befehl gaben, dass die Kampfflugzeuge starteten und feuerten, zur Verantwortung ziehen. Ganz gleich, ob das Ganze versehentlich oder mutwillig stattfand. Erst dann werden wir sagen, dass der Staat auf unserer Seite ist.“

Konsequenzen lassen bisher zu wünschen übrig

Seit dem Tod des Teenagers habe die Familie keine Sonne mehr gesehen. Das Lachen sei aus dem Alltag verschwunden. Das Massaker von Uludere, so Abdurrahman weiter, sei ein Problem, das alle Türken angehe. Es sollte gelöst werden, ohne daraus ein Politikum zu machen. Auch Mutter Emine, die einmal die Woche zum Grab ihres Sohnes geht, ist dieser Ansicht. Letztendlich, so ihre feste Überzeugung, würden die Verantwortlichen von Gott gerichtet werden.

Sowohl die türkische Regierung als auch das Parlament haben den Vorfall gesondert untersucht und versucht, herauszufinden, wie der Fehler aufgetreten ist und wer für den Tod der Dorfbewohner verantwortlich ist. Auch die Staatsanwaltschaft hat sich damit befasst. Große Konsequenzen gab es bisher allerdings nicht. Das Innenministerium hat seither lediglich die Entfernung eines Oberst, der zuvor als stellvertretender Kommandant eines Grenzregiments im Bezirk Uludere tätig war, wegen Fahrlässigkeit aus dem Dienst entfernt. Die Befürchtung der Hinterbliebenen: Je länger sich das Ganze hinzieht, desto unwahrscheinlicher wird es, dass am Ende doch noch juristische Schritte folgen könnten. Und das könnte weitreichende Folgen haben: „Solange die Köpfe hinter dem Vorfall nicht gefasst sind, werden einige Kreise weiter versuchen, daraus Kapital zu schlagen. Diese Kreise werden die Geschehnisse weiter politisieren um eigene Ziele zu erreichen.“

Auch der 19-jährige Hasan Ürek, Überlebender des Angriffs, will das verhindern. Wie er der Zeitung erklärt, wolle er Strafanzeige gegen diejenigen stellen, die den Angriff befohlen haben. Der junge Mann hatte damals nur knapp überlebt und wegen innerer Blutungen 30 Tage auf der Intensivstation verbracht. Heute habe er auf dem rechten Ohr sein Gehör größtenteils eingebüßt. Kontakte mit Anwälten habe er bereits.

Mehr zum Thema:

Massaker von Uludere: Keine Strafverfolgung von Gül und Erdoğan
Uludere: Kann ein Grenzübergang weitere Massaker verhindern?
Türkischer Innenminister: Befehl für Uludere Angriff erfolgte durch Top-Militärs

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.