Höheres Gehalt alleine macht nicht glücklich

Placement24, der Karrieremanager mit dem größten Netzwerk deutscher Headhunter, hat jüngst unter mehr als 1000 Fach- und Führungskräften eine Umfrage durchgeführt. In Anbetracht der aktuell noch starken Konjunkturlage galt es herauszufinden, welche Aspekte bei einem Jobwechsel entscheidend sind - mit teils überraschenden Ergebnissen.

Ein höheres Gehalt alleine reicht nicht mehr aus, um Fach- und Führungskräfte zu gewinnen: Das ist das Kernergebnis einer von der Placement24 GmbH in Düsseldorf durchgeführten Untersuchung unter mehr als 1000 Fach- und Führungskräften in ganz Deutschland.

Die Botschaft der Befragten: Eine gute Unternehmenskultur und Weiterentwicklungs-möglichkeiten im Unternehmen sind Berufstätigen inzwischen wichtiger als das Gehalt (das internationale Business-Netzwerk Xing zieht sich derweil aus der Türkei zurück – mehr hier).

„Freundliche Unternehmenskultur“, so das Unternehmen in einer entsprechenden Mitteilung, die den Deutsch Türkischen Nachrichten vorliegt, war mit 71 Prozent die mit Abstand am häufigsten gegebene Antwort. Dies zeige, dass für Fach- und Führungskräfte insbesondere eine positive Atmosphäre und nette Arbeitskollegen bei der Wahl eines Arbeitsplatzes von herausragender Bedeutung seien. Mit rund 60 Prozent fast ebenso wichtig erschien den Befragten der Aspekt mehr Verantwortung im Job bzw. attraktive Weiterentwicklungsmöglichkeiten. Auch das spiele bei einem potentiellen Jobwechsel eine besondere Rolle (ein anonymisiertes Bewerbungsverfahren verdoppelt die Jobchancen von Migranten – mehr hier).

Work/Life-Balance wichtiger als der Firmenwagen

Für nicht wenige vielleicht etwas überraschend: „Ein höheres Gehalt landet mit 56% erst auf Platz drei und ist somit ein Indiz dafür, dass der finanzielle Aspekt alleine derzeit nicht der größte Anreiz für einen Jobwechsel ist und dass dieser Faktor somit nicht unbedingt dafür ausreicht, Fach- und Führungskräfte zu gewinnen“, erläutert das Unternehmen. Die Hälfte der Befragten lege vielmehr Wert auf eine ausgewogene Work/Life-Balance. Dieser dicht auf den Fersen im Kriterienkatalog seien die angebotenen Weiterbildungsmöglichkeiten im Unternehmen, die 48 Prozent der Befragten als wichtiges Kriterium angegeben hätten.

Neben Geld scheinen auch andere Statussymbole von einst immer mehr von sozialen Komponenten verdrängt zu werden. Denn nur ein Drittel der Fach- und Führungskräfte lege nach Angaben Placement24 Wert auf bessere Nebenleistungen wie etwa einen eigenen Firmenwagen, mehr Urlaubstage oder eine kürzere Anreisezeit bzw. niedrigere Fahrtkosten. „Eine interessante Erkenntnis vor dem Hintergrund, dass über 60% Prozent der Berufstätigen im Bundesgebiet täglich vom Wohnort zum Arbeitsplatz in die nächstgrößere Stadt pendeln.“ Eine gute Nachricht haben die Fragenden schließlich auch für den Mittelstand: Denn geringster Relevanz bei einem Jobwechsel sei mit acht Prozent der Bekanntheitsgrad eines Unternehmens.

2005 von den geschäftsführenden Gesellschaftern Tonio Riederer von Paar und Fabiano V. Maturi gegründet, dient das Internetportal Personalberatern und Headhuntern als Recherche- und Akquisitionstool zur weiteren Direktansprache potenzieller Kandidaten. Bisher haben sich rund 6.000 Headhunter und Personalberater aus über 20 Ländern dem Portal angeschlossen, darunter neun von zehn der Top-Headhunting-Firmen in Deutschland.

In der Türkei fehlen 100.000 qualifizierte Kräfte

Die hier gewünschten Anreize könnten unter Umständen auch türkische Unternehmen voran bringen. Denn dort fehlen im Augenblick ganze 100.000 qualifizierte Arbeitskräfte. Vor allem der Industriesektor sucht händeringend nach gut ausgebildetem Personal. Den Bedarf hat das türkische Arbeitsamt (İŞKUR) bereits erkannt und verstärkte nun seine Bemühungen, Weiterbildungsmöglichkeiten zu verbessern und anzubieten. Auch die Zusammenarbeit mit den Arbeitgebern wurde verstärkt. Einmal einen guten Job ergattert, scheinen die türkischen Arbeitnehmer allerdings mit einer besonders hohen Toleranzschwelle ausgestattet. So wird, das ergab eine aktuelle Untersuchung, aus Angst vor Verlust der Stelle, etwa Mobbing weitestgehend toleriert.

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