Deutschland und Türkei: Entscheider der Zukunft vernetzen sich

Das binationale deutsch-türkische Austauschprogramm „Likeminds“ geht in die nächste Runde. Dr. Andrea Despot, stellvertretende Leiterin der Europäischen Akademie Berlin, erklärt, welche Früchte das Programm bereits getragen hat und warum solche Verbindungen für moderne Volkswirtschaften unerlässlich sind.

Die Zusammenarbeit deutsche und türkischer Experten soll zu einer höheren Wertschätzung des Partnerlandes führen. (Foto: Andre Wagenzik)

Die Zusammenarbeit deutsche und türkischer Experten soll zu einer höheren Wertschätzung des Partnerlandes führen. (Foto: Andre Wagenzik)

Deutsch Türkische Nachrichten: Das deutsch-türkische Begegnungsprogramm „likeminds: german-turkish junior expert initiative“ geht nach zwei erfolgreichen Durchläufen in die nächste Runde. Wie ist Ihr bisheriges Fazit?

Andrea Despot: Das binationale Programm geht auf die Initiative der Robert Bosch Stiftung zurück und wird von der Europäischen Akademie Berlin in Zusammenarbeit mit dem Istanbul Policy Center (IPC) der Sabanci Universität durchgeführt. Die Deutsche Welle begleitet den Austausch – und in der Tat ziehen wir kurz nach Beendigung des zweiten Durchgangs – und unmittelbar vor dem Start des dritten – ein Resümee.
Die Zwischenbilanz fällt überaus positiv aus – aus mehreren Gründen.

Zum einen, weil die Ziele des Programms – Begegnung, Austausch und Diskurs zwischen türkischen und deutschen Expertinnen und Experten – durchweg und auf inspirierende Weise für die Beteiligten erreicht wurden. Außerdem ist es gelungen, eine likemind- Gemeinschaft zu begründen, die miteinander im Gespräch ist – über das jeweilige Programmende hinaus. Und schließlich haben die likeminds Themen am Puls der Zeit diskutiert und vertieft, die Deutschland und die Türkei gleichermaßen bewegen.

Deutsch Türkische Nachrichten: Welche Früchte hat das Programm bisher getragen? Gab es Überraschungen oder besonders Hervorstechendes?

Andrea Despot: Dank der Förderung durch die Robert Bosch Stiftung sind die Früchte des Programms üppig und vielfältig. Die Streifzüge durch die Länder – unsere tours d’horizon –haben selbst für die Einheimischen Begegnungsgelegenheiten geschaffen, die neu und inspirierend waren. Die Spiegelung durch die Gäste eröffnete immer wieder neue Panoramen auf Land, Leute und Leitthemen, die sich stark eingeprägt haben.

Deutsch Türkische Nachrichten: Wie nachhaltig ist „likeminds“?

Dr. Andrea Despot (Foto: Europäische Akademie Berlin)

Dr. Andrea Despot (Foto: Europäische Akademie Berlin)

Andrea Despot: Weder die Stiftung, noch die beiden durchführenden Projektpartner haben Zweifel, dass likeminds aus sich selbst heraus fortbestehen wird, wenn auch eines Tages möglicherweise ohne feste Programmstrukturen. Mit jedem weiteren Durchgang kommen weitere Knotenpunkte in das bestehende Netzwerk hinzu. Die Alumni treffen die neuen likeminds persönlich im Rahmen der tours d’horizon in Berlin und Istanbul und vernetzen sich.
Auch die kommenden Generationen werden das Netz weiterknüpfen, verdichten und noch tragfähiger machen.

Deutsch Türkische Nachrichten: An wen richtet sich das Programm und wie wird man ein ‚likemind’?

Andrea Despot: Konkret richtet sich das Programm an deutsche und türkische künftige Entscheidungsträger, Juniorexperten und Multiplikatoren aller gesellschaftlichen Bereiche, z.B. aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Journalismus, die über eine mindestens dreijährige Berufserfahrung verfügen. Sie sollten sich auf ihrem Feld durch besonderes Engagement und gerne auch im gesellschaftlich-sozialen Bereich auszeichnen.

Deutsch Türkische Nachrichten: Welches übergreifende Thema wurde in diesem Jahr gewählt und warum?

Andrea Despot: Unter dem Titel ‚Trading potentials: Shaping economic life and connecting cultures’ haben wir in diesem Jahr die Handelsbeziehungen und die Außenwirtschaft Deutschlands und der Türkei in den Fokus gerückt. Handel steigert Wohlfahrt, schafft Verbindungen zwischen Menschen und Kulturen und ist in einer arbeitsteiligen Welt die Lebensader jeder Volkswirtschaft. Dieses Programm lotet den vielfältigen Austausch von Waren, Gütern, Dienstleistungen und Ressourcen aus, der zwischen den beiden Ländern stattfindet und bettet ihn in einen größeren – europäischen und globalen – Kontext ein. Das diesjährige Leitthema beleuchtet außerdem die gewachsenen deutsch-türkischen Geschäftbeziehungen und zeigt, wie das wirtschaftliche Leben in dem jeweiligen Land beschaffen ist, wer die Protagonisten und welches die Triebfedern der Außenwirtschaft sind.

In Istanbul und Kayseri, einem der wichtigsten Industrie- und Handelsplätze der Türkei, sowie in Berlin und Hamburg informieren sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über Handels- und Geschäftsfelder sowie außenwirtschaftspolitische Ziele. Und auf den Spuren historischer, architektonischer und kultureller Zeugnisse von Austausch und Handel werden Kontinuitätslinien zu den heutigen Bedingungen für (Welt)Handel aufgezeigt.

Deutsch Türkische Nachrichten: Welches Feedback gibt es insbesondere von den bisherigen türkischen Teilnehmern und welche Bereiche waren besonders stark vertreten?

Andrea Despot: Die türkischen Teilnehmerinnen und Teilnehmer zeigen sehr großes Interesse an Deutschland und seiner Gesellschaft. Vor allem wurden die neuen Verbindungen zu deutschen Kolleginnen und Kollegen, aber auch die Kontakte in andere Sektoren im eigenen Land als sehr produktiv hervorgehoben. Das gemeinsame Arbeiten an Problemstellungen und Herausforderungen unserer Zeit wird als überaus lohnender Einsatz gesehen, der mittelfristig auch professionelle Verbindungen schafft. Sowohl beim diesjährigen German Turkisch round table, wie auch bei Acik Radyo haben Likeminds Alumni in diesen Jahr gemeinsam gewirkt.

Deutsch Türkische Nachrichten: Welche langfristigen Hoffnungen verbinden sich mit dem Programm?

Andrea Despot: Das Programm „likeminds“ leistet durch die Vernetzung deutscher und türkischer Expertinnen und Experten nicht nur einen Beitrag zu besserem Verständnis und Wertschätzung des Partnerlandes, sondern schafft durch den sach- und themenorientierten Austausch eine Basis für konstruktive Zusammenarbeit künftiger Entscheidungsträger.

Bewerbungsschluss ist der 10. Februar 2013. Anmeldeformular und weitere Informationen finden sich unter www.eab-berlin.eu.

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