Hamburger Schulen verzweifelt: „Die Grenzen der Belastbarkeit sind erreicht“

Lerndefizite von bis zu drei Jahren – an einigen Hamburger Schulen soll das Normalität sein. 14 Schulleiter wenden sich nun an den Bildungssenator und versuchen ihm das Ausmaß der fehlgeschlagenen Bildungspolitik klar zu machen. In letzter Konsequenz würden diese Schüler von „materieller und emotionaler Verarmung“ betroffen sein.

„Unruhe, Überforderung, Sprach-, Wissens- und Erziehungsdefizite, Verhaltensoriginalitäten und soziale Auffälligkeiten“ prägen einen großen Teil der Schüler in den Hamburger Bezirken Wilhemsburg und Veddel. 14 Schulleiter haben sich aus Verzweiflung an den Hamburger Schulsenator Ties Rabe gewandt. Lernrückstände von bis zu drei Jahren bemängeln sie in dem Brief, der den Deutschen Bildungs Nachrichten vorliegt.

Die Lehrkräfte seien vollkommen überlastet und nicht in der Lage, die Situation allein zu meistern. Zu viele Schwierigkeiten häufen sich derzeit in der Region. Selbst Bildungsinitiativen haben bisher nicht den gewünschten Erfolg gezeigt. Die Schulleiter klagen über „unterdurchschnittliche Lernvoraussetzungen und soziale Disparitäten“. Nicht die schulische Leistung, sondern der „Erziehungsanteil“ nehme immer größeren Raum ein. Eine zusätzliche Belastung stelle die „zunehmende Heterogenität“ dar.

Dabei wissen die Schulleiter ganz genau, wo das Problem liegt: „Der schulische Lernerfolg hängt in Deutschland stärker von der sozio-ökonomischen Lage der Elternhäuser ab als in vielen anderen Ländern“. Kinder, die aus bildungsfernen Elternhäusern stammen, haben damit nur wenig Chancen, aufzusteigen. Genauso wenig Aussicht werden die Schüler später auf dem Arbeitsmarkt haben, so die Einschätzung. Arbeitslosigkeit oder eine Beschäftigung im Niedriglohnsektor seien vorprogrammiert. Sie warnen davor, dass auf diese Weise ein Bevölkerungsanteil entstehe, der „Gefahr läuft, materiall wie emotional zu verarmen“.

Viele der Schüler kommen mit „mangelhaftem Vorläuferwissen“ in die Schule, können „weder die eigene Muttersprache noch die Verkehrssprache Deutsch“ beherrschen oder haben erhöhten Förderbedarf, heißt es in dem Brief. Die Situation mündet in einem Teufelskreis. Aufgrund der Situation sei eine Abwanderung von leisstungsstarken Schülern vorhanden, womit das durchschnittliche Niveau weiter sinkt.

Nach Angaben des Hamburger Abendblattes ist das Hamburger Amt für Bildung in der kommenden Woche zu einem Gespräch mit den 14 Schulleitern, die den Brief unterzeichnet haben, bereit. Die Schulleiter sind gut vorbereitet, denn sie wissen, was sie von der Politik verlangen wollen, damit sich die Situation bessert.

Sie fordern unter anderem einen früheren Einstieg von Kleinkindern in die Bildungsanstalten, eine regulierende Begleitung im Bereich der „Schulen, Schulstandorte, Anwahlverfahren der Eltern und Wahl der Schulform“ von Seiten der Politik, mehr Entscheidungsfreiräume in der lokalen Bildungspolitik für deren Akteure, mehr Mittel für Schulen mit erhöhtem Bedarf aufgrund spezieller Ausgangslagen und eine Doppelbesetzung durch Sozialpädagogen und Lehrer nach dem Vorbild der Berliner Rütli-Schule.

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