Eurovision Song Contest 2013: TRT steigt aus

Harter Schlag für alle türkischen Eurovision-Fans: Der öffentlich-rechtlicher Sender TRT hat sich dazu entschlossen, nicht beim kommenden Eurovision Song Contest in Schweden dabei zu sein. Der Grund für die Absage gen Malmö: Der türkische Sender hält die Änderungen im Abstimmungssystem des Wettbewerbs für ungerecht.

Die türkische Rundfunk- und Fernsehanstalt (TRT) habe, so berichtet derzeit die türkische Zeitung Sabah, in einer schriftlichen Erklärung mitgeteilt: „Als Mitglied der Europäischen Rundfunk Union (EBU) geht die Entscheidung von TRT, wie die jeder anderen Sendeanstalt, am Eurovision Song Contest teilzunehmen, auf eigene Initiative zurück. Deshalb hat unsere Anstalt entschieden, nicht am 58. Eurovision Song Contest, der 2013 von Schweden ausgetragen wird, teilzunehmen.“

Wertung liegt zu 50 % in Jury-Händen

Der TRT-Erklärung zufolge lägen die Gründe für diesen Schritt in Veränderungen und den daraus resultierenden Ungerechtigkeiten im Voting-System des Wettbewerbs. Bis zum Jahr 2010, so das Blatt weiter, ermittelten die Zuschauer den Gewinner des Contests. Doch mit den 2011 eingeführten Änderungen wurde der Einfluss des Publikums auf die Hälfte zurückgeschraubt. Das Stimmgewicht der Jury lag seither bei 50 Prozent (der türkische Kandidat Can Bonomo wurde von den Zuschauern in diesem Jahr auf Platz vier gewählt, landete am Ende aber auf Rang 7 – mehr hier).

Weiterer Knackpunkt sei nach dem Bericht der Sabah die so genannte „Big Five“-Regelung. Diese erlaube den fünf größten EBU-Beitragszahlern Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Spanien und Italien ein automatisches Einziehen ins Finale. So habe es im Vorfeld Spekulationen gegeben, dass diese Regelung auf Grund des zuletzt schlechten Abschneidens dieser Länder eingeführt worden sein könnte.

Gute türkische Platzierungen in den letzten zehn Jahren

TRT nimmt seit 1975 am Eurovision Song Contest teil. Bisher war man ganz 34 Mal dabei. Außen vor blieb die Fernsehanstalt bereits in den Jahren 1976-77, 1979 und 1994. Mit der Teilnahme von Şebnem Paker mit dem Song „Dinle“ im Jahr 1997 kam dem internationalen Wettbewerb erstmals auch beim türkischen Publikum erhöhte Aufmerksamkeit zu. Seither sind die Erwartungen, was das Abschneiden der eigenen Kandidaten angeht, immens hoch. Belohnt wurde die Euphorie dann 2003 mit dem Sieg von Latvia Sertab Ereners „Every way That I Can“ in Riga.

In den vergangenen zehn Jahren gab es für TRT gleich eine ganze Reihe an Erfolgen zu verbuchen. Nach dem Sieg 2003, reichte es in den Jahren 2004, 2007 und 2009 immer hin für Rang vier, 2008 und 2012 wurde das Land Siebter und 2010 immer hin Zweiter. Immer wieder gab es Spekulationen, dass die Platzierungen der Türkei in dieser Zeit unmittelbar mit der Umstellung auf das Televoting-System im Zusammenhang stehen. Und auch TRT selbst räumt in seiner Stellungnahme ein: „Während der Jahre, 2003 bis 2010, als das Publikum am Zug war, erlebten unsere Künstler eine viel höhere Erfolgsquote.“

„Love Me Back“ landet auf Juryplatz 22 von 25

Can Bonomo, der hoch in der Gunst des Publikums stand, konnte die Fachjury 2012 nicht überzeugen. Er schaffte es mit seinem Song nur auf Platz 22 von 25. Demnach vergab die Jury 50 Punkte an Bonomo und seinen Song „Love Me Back“ und aus dem öffentlichen Voting erhielt er noch 176 Punkte. Dass Ergebnisse des Jury- und Televotings auseinandergehen, ist keine Seltenheit. Das besondere an Bonomos Wertung ist allerdings, dass sich die Meinungen bei keinem anderen Kandidaten so stark unterschieden haben. Die Schwedin Loreen alias Lorine Zineb Noka gewann mit ihrem Song „Euphoria“ und 372 Punkten (sie holte den fünften ESC-Sieg für Schweden – mehr hier)

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