Polizeigewalt: Fans von „Grup Yorum“ mit Pfefferspray und Wasserwerfern vertrieben

Erneut ist die türkische Polizei durch ihr rigoroses Vorgehen gegen Bürger aufgefallen. Jüngster Zwischenfall: Die Beamten setzten Pefferspray und Wasserwerfer ein, um Fans der bekannten türkischen Band „Grup Yorum“ zu vertreiben, die sich am vergangenen Sonntag im Istanbuler Stadtteil Bağcılar eingefunden hatten. Das Konzert war zuvor verboten worden.

Das Konzert von „Grup Yorum“, das einem Bericht der Hürriyet zufolge unter dem Slogan „Lasst uns einen Kampf der Arbeiter beginnen, lasst uns zusammenkommen und gewinnen“ stand, war im Vorfeld von den Sicherheitskräften verboten worden. Fans der Formation habe das jedoch nicht abhalten können. Sie versammelten sich vor der Bağcılar Olympic Sport Hall, wo der Gig eigentlich hätte stattfinden sollen, und versuchten in das Gebäude zu gelangen. Die Polizei setzte darauf hin Pfefferspray, Druckwasser-und Gas-Bomben ein, um Hunderte von Menschen zu zerstreuen.

„Grup Yorum“: Misshandlung, Zensur, Gefängnis

Die Mitglieder von „Grup Yorum“ würden, so das Blatt weiter, mit ständigen Schikanen durch die türkischen Behörden konfrontiert. Und das bereits seit ihrer Gründung vor 27 Jahren. Einige hätten auf Grund ihrer politischen Aktivitäten bereits im Gefängnis gesessen. Die Formation ist vor allem für ihre politischen Texte bekannt, zählt zum  sozialistisch-revolutionären Spektrum und wird von den Sicherheitsbehörden als Teil der DHKP-C angesehen. Einige ihrer Alben wurden verboten. Bevorzugte Themen der Musiker sind unter anderem die türkische Gefängnissituation und der Gefangenenwiderstand in der Türkei, genauso wie das Todesfasten. Erst im vergangenen September wurden Sängerin Selma Altin und die Violinistin Dilan Balci festgenommen und in Haft verbracht. Dabei wurden sie schwer misshandelt.

Zwei Todesfälle durch Einsatz von Pfefferspray

Immer wieder wurde die türkische Polizei vor allem von Nichtregierungsorganisationen für ihren rigiden Einsatz von Pfefferspray kritisiert. Zuletzt machten auch Mitglieder der größten türkischen Oppositionspartei CHP ihrem Unmut im Parlament mit dem Einsatz von Pfefferspray Luft und protestierten gegen die in ihren Augen unverhältnismäßige Anwendung des Gases während Massenkundgebungen durch die Polizei (explizit richteten sie sich gegen Innenminister İdris Naim Şahin – mehr hier). Auch von Seiten des türkischen Gesundheitsministers Recep Akdağ gab es Warnungen, dass die hiesige Polizei während Demonstrationen Pfefferspray künftig „verhältnismäßig“ einsetzen solle. Erst in jüngerer Vergangenheit kam es zu zwei Todesfällen, die in Zusammenhang mit solchen Polizeieinsätzen stehen (der Einsatz des Sprays kann ernsthafte gesundheitliche Konsequenzen nach sich ziehen – mehr hier).

Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hatte die Türkei im vergangenen April mit einem Bußgeld belegt, erklärte den Einsatz von Pfefferspray zur Folter und als Missbrauch des dritten Artikels der Konvention (darauf wies bereits Metin Bakkalcı, Generalsekretär der TİHV hin – mehr hier).

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