Zehn Kilometer langer Grenzwall: Türkei und Griechenland durch Mauer getrennt

Mit Hilfe einer zehn Kilometer langen Mauer entlang der Grenze zur Türkei will die griechische Regierung den Strom illegaler Migranten eindämmen. Jetzt wurde das Bauwerk fertiggestellt. Doch seine künftige Wirkung wird bereits seit längerem massiv angezweifelt.

Vom Grenzübergang Kastanies bis zum Fluss Mariza (Evros) sind die Türkei und Griechenland nun durch eine Mauer getrennt. Das zehn Kilometer lange Bauwerk, so berichtet die russische Nachrichtenseite Ria Novosti, habe rund 3,2 Millionen Euro gekostet und solle in Zukunft illegale Migranten von Griechenland fern halten. Gut ein Jahr wurde an dem Grenzwall gearbeitet. Neben Beton und Stahl seien auch 370 Kilometer verschiedene Stacheldrahtsorten verbaut worden.

Stimmung gegenüber Ausländern hat sich verschärft

„Nun ist illegalen Migranten der Weg nach Griechenland um einiges erschwert“, so das Blatt weiter. „Entweder müssen sie die von griechischen und europäischen Frontex-Grenzwächtern streng bewachte Mauer oder aber den Fluss Mariza überwinden. Ein dritter, noch gefährlicherer Weg führt durch die Meerenge, die die türkische Küste von einer Reihe von griechischen Inseln trennt.“ Dort war es erst am vergangenen Wochenende zu einem Unglücksfall mit 20 Toten und acht Vermissten gekommen.

Die Stimmung gegenüber in Griechenland lebenden Ausländern, Hunderttausende halten sich illegal dort auf, hat sich im Zuge der Finanzkrise deutlich verschärft. Hinterrückse Attacken, massive Polizeigewalt, ein Aufschwung des ultra-rechten Flügels in der Politik- gleich mehrere Faktoren lassen das Land für Migranten peu à peu zu einer zunehmend „feindlichen Umgebung“ werden.

Egemen Bağış: Grenzwall ist das falsche Signal

Nicht nur die griechische Opposition und zahlreiche NGOs haben sich im Vorfeld gegen den Mauerbau ausgesprochen. Auch aus der Türkei gab es Protest. „euronews“ erklärte der türkische EU-Minister Egemen Bağış bereits im vergangenen Februar: „Es ist nicht die Zeit, über neue Mauern zu diskutieren. Man sollte besser daran arbeiten, neue Brücken zu bilden – zwischen verschiedenen Sichtweisen, verschiedenen Kulturen und verschiedenen Ländern.“ Für ihn sei der Grenzwall ein Zeichen der Trennung zwischen den Ländern der EU und den Ländern außerhalb. Und zudem ein ganz klares Signal der Abschottung.

Auch die EU hatte sich im Vorfeld gegen das Millionenprojekt ausgesprochen. Der Flüchtlingstrom werde durch den Grenzzaun nicht gestoppt, hieß es. Karl Kopp, Europareferent von Pro Asyl, warnte im Gespräch mit den Deutsch Türkischen Nachrichten vor bösen Konsequenzen. Bereits im vergangenen Jahr habe es über 50 Todesfälle bei Grenzüberquerungen gegeben. Er befürchtet: Nicht die Abschreckung werde erfüllt, höchsten könne es zu der Wahl alternativer Routen kommen. Flüchtlinge und Einwanderer würden wieder vermehrt Schlepper nutzen. Auch hierbei kämen jährlich unzählige Menschen ums Leben. Für die Menschen, die aus wirtschaftlichen und politischen Gründen ihre Heimatländer verlassen, fühle sich niemand zuständig. Solange diese von Land zu Land abgeschoben werden und sich die Situation in den betreffenden Region nicht verbessert, konstatiert er, würden diese immer neue Routen in die EU finden (die Flüchtlingsproblematik wird auf das wichtige Transitland Türkei abgewälzt – mehr hier).

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