Entführung in Syrien: Zwei russische Staatsbürger verschleppt

In Syrien ist es zu einem Entführungsfall mit zwei russischen Staatsbürgern und einem Italiener gekommen. Nach Angaben des russischen Außenministeriums wurden die drei Stahlarbeiter auf einer Autobahn von der Hafenstadt Tartus weg verschleppt. Die Hintergründe der Tat sind bisher absolut unklar.

„Allem Anschein nach handelt es sich um Russen“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet den russischen Außenminister Sergej Lawrow bei einem Besuch im zentralasiatischen Uzbekistan. Nach ersten Spekulationen in der vergangenen Nacht heißt es jetzt: Russland werde alle „notwendigen Schritte sowohl in Syrien als auch in anderen Ländern“ unternehmen, um die Männer wieder freizubekommen.

Zuvor war von der russischen Botschaft in Damaskus bestätigt worden, dass zwei russische Arbeiter gemeinsam mit einem von den italienischen Medien als Mario Belluomo identifizierten Kollegen entführt worden seien. „Zwei Russen und ein Italiener sind auf der Straße von Tartus nach Homs gekiddnappt worden“, so Sergei Markov told, Sprecher der russischen Botschaft in Damaskus, zum staatlichen Fernsehen.

Schicksal der Entführten bisher nicht bekannt

Bisher wurden weder Einzelheiten des Zwischenfalls noch die Identität der beiden Russen bekannt. Die russische Botschaft, so die Nachrichtenagentur Interfax,  ließ lediglich verlauten, dass alle Drei für eine private syrische Firma, ein Stahlwerk in Tartus, wo Russland einen Marinestützpunkt betreibt, tätig seien. Wann sich die Entführung exakt ereignet hat, liegt derzeit genauso im Dunkeln wie der Verbleib der drei Männer.

Russland gilt als einer der letzten engen Verbündeten Syriens. Gleich drei UN-Resolutionen gegen Machthaber Bashar al-Assad schlug das Land bereits mit einem Veto nieder. Zuletzt unterbreitete die Türkei Russland neue Pläne, die einen Rücktritt des Präsidenten bis März 2013 und eine Übergangsregierung unter der Kontrolle der „Nationalen Koalition“ vorsehen. Das Vorhaben wurde erstmals während des Besuch von Wladimir Putin Anfang des Monats in der Türkei diskutiert. Der russische Präsident hatte sich am 3. Dezember mit dem türkischen Premier Recep Tayyip Erdogan in Istanbul getroffen und das Ganze als „kreative Formel“ bezeichnet.

Entführungen auf dem Vormarsch

Erst Ende Oktober sorgte das grausame Ende eines verschleppten Priesters für Aufsehen. Eine Woche nach seiner Entführung war der griechisch-orthodoxe Priester Fadi Jamil Haddad im Norden von Damaskus tot aufgefunden worden (er wurde übel zugerichtet – mehr hier). Seine Entführer hatten ihn offenbar gefoltert und anschließend getötet, nachdem sie das Lösegeld in Höhe von 550.000 Euro nicht erhalten hatten. Auch die al-Qaida rief derweil zu weiteren Entführung auf. Im benachbarten Libanon kam es im vergangenen Sommer wieder zu Massen-Entführungen wie sie noch zur Zeit des dortigen Bürgerkriegs gängige Praxis waren. Der türkische Geschäftsmann Aydın Tufan Tekin kam erst im Oktober, nachdem ihn ein einflussreicher schiitischer Clan quasi direkt vom Flughafen verschleppt hatte, wieder auf freien Fuß (Entführer haben ihn nicht schlecht behandelt – mehr hier).

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