Schwarze Liste der Türkei: 20.000 Bücher seit 1834 verboten

Seit dem Jahr 1834 haben osmanische und türkische Behörden ganze 20.000 Bücher in der Türkei verboten. Das geht aus einem neuen Buch von Emin Karaca hervor. Nach Ansicht des Autors würden die Zensoren in der republikanischen Ära mit einem Eifer vorgehen, der in der Vergangenheit undenkbar gewesen wäre.

Das Buch mit dem Titel „Vaaay Kitabın Başına Gelenler!“ wurde am 17. Dezember beim türkischen Journalistenverband vorgestellt. Demnach gehörten zu den am häufigsten verbotenen Büchern in der republikanischen Zeit die Werke des renommierten Autors Nazim Hikmet sowie Karl Marx’ „Das Kapital”. Das berichtet die türkische Zeitung Hürryiet.

Karaca habe gut fünf Jahre lang zu dem Thema recherchiert. Nach Ansicht des Autors gehöre die Türkei zu den Verbots-Hochburgen. „Der am häufigsten verbotene Autor während der republikanischen Zeit war Nazim Hikmet, da man dachte, er würde den Sozialismus der Öffentlichkeit näherbringen wollen“, so Karaca. Im Zuge der Präsentation sprach er auch über die im Jahr 1970 vom Erziehungsministerium erstellte Schwarze Liste für Schulen. „Fast alle verbotenen Autoren auf der Liste sind Türken.“

Anti-Terror-Gesetz muss dringend überarbeitet werden

Derweil wies der Vorsitzende des türkischen Verlagsverbands (TYB), Metin Celal, darauf hin, dass von der Chef-Staatsanwaltschaft in Ankara erst in der vergangenen Woche die Verbote von 453 Büchern und 600 Publikationen als Teil eines dritten Justizreform-Pakets aufgehoben wurden. Nach Angaben von Celal wurden auf der anderen Seite jedoch auch neue Verbotsanträge bei der Polizei gestellt. Betroffen seien 67 Bücher und 16 Zeitschriften. Dabei handle es sich um Bücher, die bei Wohnungsdurchsuchungen gefunden wurden. Sie werden als strafrechtliche Beweismittel im Zusammenhang mit inhaftierten Studenten betrachtet. Diese Verbote wolle der Staat daher auch nicht aufheben. Doch auch er spricht sich dafür aus, dass das türkische Anti-Terror-Gesetz und die einschlägigen Artikel im türkischen Strafgesetzbuch so bald wie möglich geändert würden (dafür plädierte erst kürzlich der stellvertretende türkische Premier Bülent Arınç – mehr hier).

Regierungszeit von Abdülhamid II verlgeichsweise harmlos

Natürlich seien, so Karaca weiter, auch in der osmanischen Zeit Bücher verboten worden. Doch in republikanischen Zeiten sei das weitaus massiver betrieben worden. Selbst der für seine vergleichsweise rigide Zensur bekannte Sultan Abdülhamid sei da noch relativ harmlos gewesen. „Während der Tanzimat Periode [die im Jahr 1839 begann], verboten Sultane Bücher durch kaiserliche Edikte. Während der Regierungszeit von Abdülhamid II gab es sogar eine Zensurbehörde, die darüber entschied, welche Bücher verboten wurden. Doch selbst Abdülhamids Methode der Zensur war zivilisierter [als heute].“ (in der Türkei herrscht ein Klima der Angst – mehr hier)

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