Größte Einzelbestellung in der türkischen Geschichte: Pegasus Airlines ordert bis zu 100 Flugzeuge

Die in Istanbul ansässige Fluggesellschaft Pegasus Airlines hat Boeing den Rücken gekehrt und Airbus am vergangenen Dienstag den größten Einzelauftrag in der Geschichte des Landes erteilt. Für einen Kaufpreis von 7,5 US-Milliarden Dollar erwirbt die Airline zunächst 75 Maschinen. Dazu gibt es eine Option über 25 weitere.

Der Auftrag über 58 Flugzeuge vom Typ A320neo, 17 Maschinen des Typs A321neo samt der Kaufoption auf 25 weitere Maschinen stellt, so die türkische Zeitung Zaman, einen echten Meilenstein für den europäischen Flugzeugbauer Airbus dar. Aus dem augenblicklichen Auftragsvolumen über 7,5 US-Milliarden Dollar könnten so leicht mehr als zehn Milliarden werden. In der Branche übliche kräftige Rabatte noch nicht mit eingerechnet. Geliefert werden sollen die Flugzeuge 2015 oder 2016 und 2022.

Derzeit setzt die vor 22 Jahren gegründete Pegasus Airlines noch ganz auf die Fabrikate von Erzrivale Boeing. Die Präferenzen, so Reuters, änderten sich nach Informationen aus Branchenkreisen jedoch im Zuge des erbitterten Preiskampfes zwischen den beiden Herstellern. Verschärft hatte sich die Situation durch die neuen Mittelstreckenflieger von Airbus. Diese sollen auf Grund ihrer effizienteren Triebwerke und aerodynamisch optimierter Flügelenden zudem bis zu 15 Prozent weniger Treibstoff verbrauchen.

Pegasus Airlines: Airbus scheiterte bereits zweimal gegen Boeing

Wie Pegasus-Vorstand Ali Sabanci inzwischen bestätigt, habe man zunächst den Erwerb von 40 Maschinen in Betracht gezogen. In Anbetracht des stetig wachsenden türkischen Luftverkehrs habe sich das Unternehmen dann jedoch umentschieden. „Das ist die größte Einzelbestellung in der türkischen zivilen Luftfahrt“, so Sabanci zu Politikern und Prominenten im Trainingszentrum der Fluggesellschaft in Istanbul (dort startete im August die Ausschreibung für den dritten Flughafen – mehr hier).

Bisher hatte Airbus erfolglos versucht, das Boeing-Monopol bei der türkischen Fluggesellschaft zu brechen. Bereits zweimal, so informiert das Medium, habe das Unternehmen hierzu Gelegenheit gehabt. Welche genauen Konditionen nun den Ausschlag gaben, darüber hüllt man sich jedoch dezent in Schweigen. Nur so viel drang an die Öffentlichkeit: „Wir hatten harte Verhandlungen“, so Christopher Buckley, Airbus Executive Vice President Europa, Asien und Pazifik. Quellen aus dem Umfeld von Boeing wiederum wollen wissen, dass man sich dabei preislich in Regionen vorgewagt habe, die das Konkurrenzunternehmen nicht bereit gewesen wäre mitzugehen. Schon in der Vergangenheit seien Analysten zufolge Flugzeuge für weniger als die Hälte des Listenpreises über den „Ladentisch“ gegangen. Eine ähnliche Situation liegt übrigens noch gar nicht so lange zurück: Erst im vergangenen August konnte Boeing Airbus einen Hauptabnehmer in Asien, nämlich keine Geringeren als Singapore Airlines, streitig machen. Auch hier soll der Preis am Ende entscheidend gewesen sein.

Am Himmel wird es eng: 350 Millionen Passagiere im Jahr 2023

Pegasus Airlines startete 1990 mit Anfangs zwei Flugzeugen. Mittlerweile ist der Maschinenpark auf mehr als 40, vor allem Boeing BA.N 737-800, angewachsen. Die Airline fliegt 62 Ziele in 28 Ländern an. Mit Blick auf Turkish Airlines, die am schnellsten wachsende Fluglinie weltweit, und die kürzlich sowohl von Boeing als auch von Airbus Langstreckenflugzeuge bestellt hat, will nun auch Pegasus seine Expansionspläne vorantreiben. Der Bedarf scheint jedenfalls vorhanden: Nach Angaben des türkischen Verkehrsministers Binali Yıldırım werde die Anzahl der Passagiere von derzeit 130 Millionen bis zum Jahr 2023 auf gut und gerne 350 Millionen und mehr klettern (derweil stoßen die türkischen Flughäfen an ihre Kapazitätsgrenzen – mehr hier).

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