Nach dem Massaker von Newtown: Rufe nach schärferen Waffengesetzen nun auch in der Türkei

Bei diesem enormen Anstieg der Waffenanzahl in der Türkei, davon ist eine türkische Gruppierung überzeugt, sei eine Katastrophe geradezu vorpgrogrammiert. Vor dem Hintergrund des Schulmassakers in Newtown, wenden sie sich mit einem Aufruf sowohl an die Führung in Ankara als auch in Washington, die bestehenden Waffengesetze zu verschärfen.

Pläne in den USA, nach dem jüngsten Schulmassaker in Newtown, das bestehende Waffengesetz endlich zu verschärfen und vor allem den Verkauf von halbautomatischen Schnellfeuergewehren einzuschränken, haben in der Türkei nun ähnliche Forderungen laut werden lassen. Wie die türkische Zeitung Hürriyet berichtet, habe Nazire Dedeman Çağatay, Gründerin und Vorsitzende der UMUT Stiftung, sich per Brief an den türkischen Premier Recep Tayyip Erdoğan sowie an US-Präsident Barack Obama gewandt. Darin habe sie die beiden Staatsmänner dazu aufgefordert, den Waffenverkauf in den jeweiligen Staaten zu begrenzen.

Die Forderung von Seiten der 1993 gegründeten Organisation, deren Arbeitsschwerpunkt im Kampf gegen die Verbreitung von Kleinwaffen liegt, kommt nur eine Woche, nachdem der 20-jährige Amokschütze Adam Lanza in Newtown, Connecticut, 20 Grundschüler und sieben Erwachsene ermordert hat (die Kinder waren im Alter zwischen 5 und 10 Jahre  – mehr hier). Gleichzeitig wurde auch Barack Obama aktiv. Er legt sich derzeit mit der mächtigen US-Waffenlobby NRA an und beauftragte seinen Vize Joe Biden mit der Suche nach Verbündeten für schärfere Waffengesetze. Schon im Januar sollen konkrete Vorschläge folgen.

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In der Türkei rund 20 Millionen Waffen in Privatbesitz

In ihrem Brief an Erdoğan wies Çağatay nun erneut darauf hin, dass ein Waffengesetz im Jahr 2009 zurückgestellt wurde, nachdem es bereits von den parlamentarischen Kommissionen genehmigt wurde. Sie forderte de Premier auf, sich dieses Problems erneut anzunehmen.

Çağatay gründete die UMUT-Stiftung, nachdem ihr Sohn Umut Dedeman vor 19 Jahren von einem Freund erschossen wurde. Einem Bericht der Stiftung zufolge wären in der Türkei rund 20 Millionen Waffen in Privatbesitz, davon seien allerdings nur 2,5 Millionen lizensiert. Doch dem nicht genug: Laut Berna Çapçıoğlu Pehlevan, Koordinator der Stiftung, hätte sich die Anzahl der bewaffneten Konflikte in einem Jahr mehr als verdoppelt. 57 Prozent solcher Angriffe stehen dabei im generellen Zusammenhang mit häuslicher Gewalt. Ein Umstand, der entgegen der häufig geäußerten Ausrede steht, die Waffen würden hauptsächlich zur„Selbstverteidigung von Fremden“ gebraucht. „Das ist das mit Abstand problematischste Ergebnis der Untersuchung. Es zeigt, dass das türkische Volk so ihre Familienangehörigen abwehrt und keine Fremden“, so Pehlevan am vergangenen Freitag zur Zeitung.

Keine Überwachung, Aufzeichnung oder Ausbildung

Schlüsselt man die Delikte auf, ergibt sich nach Angaben der Stiftung folgende Verteilung: 23,5 Prozent stehen in direktem Zusammenhang mit häuslicher Gewalt, 33.8 Prozent geschehen zwischen Freunden, Geliebten und Angehörigen sowie 57.3 Prozent innerhalb des Bekanntenkreises.

„Keine Überwachung, keine Aufzeichnung, keine Zertifizierung oder Ausbildung, nichts davon haben wir in der Türkei. Das ist eine tickende Zeitbombe. Wir warten nur darauf, dass diese detoniert“, warnt Pehlevan, die darauf hinweist, dass im Jahr 2007 3000 Menschen durch Schusswaffen ums Leben kamen. Heute seien es sogar 4,500.

Ähnlich wie in den USA, so sieht auch der türkische Waffensektor die Sache ganz anders.  So beteuert etwa Veysi İleri, Vorsitzender der hiesigen Vereinigung der Waffenhersteller und Verkäufer, dass es ganz und gar nicht einfach sei in der Türkei einen Waffenschein zu erwerben. Letztlich argumentiert aber auch er ähnlich tumb, wie seine US-amerikanischen „Kollegen“: „Die Welt ist nicht immer friedlich, jederzeit könnte ein Krieg ausbrechen. Und es gibt Situationen, in denen man sich selbst verteidigen muss.“ Seiner Ansicht nach könne man die Türkei allerdings nicht mit den USA vergleichen. Für Waffennarren seien die Vereinigten Staaten in der Tat der Himmel auf Erden. „In der Türkei muss man physische und psychiologische Tests durchlaufen bevor man einen Waffenschein ausgehändigt bekommt.“ (in Japan sind die Regelungen weitaus strenger – mehr hier)

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