Glaube 2.0: Moschee verteilt Tablet-PCs an betende Kinder

Kinder für den Kirchgang zu begeistern, ist ein nicht immer leichtes Unterfangen. Ähnlich ergeht es offenbar denjenigen, die versuchen diese zum Gang in eine Moschee zu bewegen. In Zentralanatolien geht man jetzt allerdings einen streitbaren Weg. Als Anreiz, sich doch am Gemeindeleben zu beteiligen, erhalten die Kids nach 180 Gebeten einen Tablet PC.

Die zentralanatolische Provinz Yozgat dürfte den meisten Lesern bis eben kaum ein Begriff gewesen sein. Doch mit dem Vorschlag des hiesigen Imams ab 180 Gebeten kostenlose Tablet PCs an Kinder zu verteilen, dürfte sich das zumindest unter den Diskutanten dieses fragwürdigen Anreizes schnell ändern.

„Wir wollten die Aufmerksamkeit der Jugendlichen gewinnen und sie dazu ermutigen, zu beten, indem wir ihre Begeisterung für Technik und das Internet für uns nutzen“, zitiert die türkische Zeitung Hürriyet Cebrail Öztürk, Imam der Dayılı Moschee im Distrikt Akdağmadeni von Yozgat (derweil sollten Lehrer ihren Schülern den richtigen Umgang mit der Informationsflut näherbringen – mehr hier).

In der Tat, so schreibt das Blatt, sei geplant, all jenen Kindern, die binnen zwei Monaten 180 Mal zum Gebet erscheinen, einen Tablet PC zu überreichen. Um ihre Anwesenheit entsprechend zu belegen, sollten sie nach Angaben des Imams, dafür vorgesehene Coupons sammeln, die nach den Gebeten verteilt würden. Finanziert würde das Ganze übrigens von Dorfbewohnern und von in Europa lebenden Türken. Wann die Aktion startet, dazu macht das Blatt keine Angaben.

Ob die Aktion von Erfolg gekrönt sein wird, das sei dahin gestellt. Ebenso die Frage, ob das lukrative Angebot an die potentiellen Moscheebesucher auch wirklich mit den hehren Zielen des Imams vereinbar sei. Sicher ist jedoch, dass hiermit ein weiterer kreativer Vorstoß unternommen wurde, um eine bestimmte Zielgruppe sprichwörtlich hinter dem Ofen hervorzulocken. Denn: Nur allzu gut ist noch ein Vorschlag aus dem Sommer 2012 in Erinnerung: Damals sorgte ein Café im Südosten der Türkei für Aufsehen, das etwas gegen die mangelnde Leselust der Bürgerinnen und Bürger im Land unternehmen wollte – wenn auch mit weitaus günstigeren Mitteln. Das Haus lockte seine Kunden mit Freigetränken, wenn diese im Gegenzug ein Buch zur Hand nahmen (das Haus in Kahramanmaraş beteiligte sich damit an der Aktion „Die Türkei liest“ – mehr hier).

Mehr zum Thema:

Türkischer Medienpräsident: Abdullah Gül nutzt jetzt auch Instagram
Mit dem Handy ins Internet: Türken liegen weit über dem europäischen Durchschnitt
Türkei: Noch knapp 60 Prozent der Haushalte ohne Internet

Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.