Erneute Provokation aus Frankreich: Satire-Magazin veröffentlicht Comic über Propheten Mohammed

Erst im November 2011 war das französische Satire-Magazin „Charlie Hebdo“ Ziel eines Brandanschlags geworden. Einschüchtern ließen sich die Macher davon offenbar nicht. Im September letzten Jahres wurde nachgelegt. Doch dem nicht genug: Jetzt veröffentlichte das Blatt gleich einen ganzen Comic voll mit Mohammed Karikaturen.

Wie unter anderem die türkische Zeitung Hürriyet berichtet, habe das französische Satire-Magazin „Charlie Hebdo“ den Propheten Mohammed nun nicht nur wie vormals als Gastautor ins Blatt gehoben, sondern seinem Leben gleich ein ganzes Buch in Comicformat gewidmet. Das 64 Seiten starke Sonderheftchen erschien an diesem Mittwoch in einer Auflage von 80.000 Stück zu einem Preis von sechs Euro. Neuerliche Entrüstungen in der islamischen Welt scheinen damit vorpgrogrammiert.

Stéphane Charbonnier will über Mohammed informieren

Unterdessen versucht der Herausgeber und Zeichner von „Charlie Hebdo“, Stéphane Charbonnier, zu beschwichtigen. Das Sonderheft, dessen Idee bereits seit 2006 existiere, als eine dänische Zeitung Mohammed-Karikaturen veröffentlichte, sei gewissenhaft recherchiert und zudem eine pädagogische Arbeit, die durch einen französisch-tunesischen Soziologen vorbereitet worden sei. Er jedenfalls glaube nicht daran, dass daran etwas Anstößiges gefunden werden könnte. Immerhin, so Charbonnier, der derzeit unter Polizeischutz steht, wüsste man über das Leben von Jesu nahezu alles, über Mohammed hingegen so gut wie nichts.

Eine erste Reaktion aus der Türkei folgte an diesem Mittwoch bereits auf dem Fuße.  Ibrahim Kalin, politischer Berater des Premiers, verurteilte die Arbeit als bewusste Provokation. Via Twitter erklärte er: „Das Leben des Propheten des Islam in eine Karikatur zu verwandeln ist an sich ein Fehler. Was auch immer die Leute von Charlie Hebdo sagen, dies ist eine Provokation.“

Ende des Jahres 2011 geriet das Blatt erstmals in den öffentlichen Fokus, weil es seine Sonderausgabe „Scharia Hebdo” zum Arabischen Frühling mit dem Propheten Mohammed als „Gastautor“ veröffentlichte. Damals wurde das Magazin Opfer eines Brandanschlags durch einen Molotow-Cocktail. Verletzt wurde dabei niemand, doch es gab erheblichen Sachschaden. Das Frontcover zierte damals eine Darstellung des Propheten Mohammed mit der Aussage: „100 Peitschenhiebe, wenn Sie sich nicht totgelacht haben”. Der Chefredakteur der Zeitung sprach von Droh-Emails im Vorfeld des Anschlags.

Beeindrucken ließ sich das Blatt davon allerdings nicht. Knapp ein Jahr später, im September 2012 kam es zu neuerlichen Veröffentlichungen von Mohammed-Karikaturen durch das Satiremagazin. Die französische Regierung reagierte prompt und schloss aus Angst vor möglichen Anschlägen Botschaften und Schulen in gut 20 Ländern. Auch Deutschland hatte auf die französischen Zeichnungen reagiert. Die Botschaft im Sudan blieb weiterhin geschlossen. Die Sicherheitsmaßnahmen für andere Niederlassungen im Ausland wurden erhöht (mit seinem Schritt hatte das Magazin zusätzliches „Öl ins Feuer gegossen“ – mehr hier)

Mehr zum Thema:

Vorstoß in Paris: Europas erste Homosexuellen freundliche Moschee eröffnet
Erschreckendes Umfrageergebnis: Die Hälfte der Franzosen sieht Muslime als Bedrohung
Anschlag auf französisches Satire-Magazin


Kommentare

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.

Wir freuen uns auf Ihre Kommentare zu diesem Artikel.

Bitte verwenden Sie dazu unsere Facebook-Seite - hier.