Happy New Year? 2013 beginnt für türkische Bürger mit Steuererhöhungen

Philip Morris, einer der größten Hersteller von Tabakprodukten hat den Anfang gemacht. Das Unternehmen mit Hauptsitz in den USA hat als erster Preissteigerungen seiner Produkte auf Grund der jüngsten Steuererhöhungen der türkischen Regierung bekannt gegeben. Dabei wird es allerdings nicht bleiben.

Der Tabakproduzent Philip Morris/Sabancı hat am vergangenen Mittwoch eine Preisteigerung von einer türkischen Lira auf den Ladenpreis all seiner Produkte bekannt gegeben – und zwar unabhängig von ihrem bisherigen Preis. Damit kostet zum Beispiel eine Packung Zigaretten künftig neun statt bisher acht Lira, während eine wesentlich günstigere Schachtel, etwa zu fünf Lira, nun auch ganze sechs Lira kostet. Das berichtet die türkische Zeitung Hürriyet.

Doch nicht nur Philip Morris zieht an. Auch British American Tobacco (BAT) soll bereits ankgekündigt haben, binnen einer Woche die Preise anzuheben. Da die Steuererhöhung jedoch nicht allzu hoch ausgefallen sei, so das Unternehmen, würden auch die Preise für Zigaretten nicht wesentlich steigen. Noch gäbe es zwar keine endgültige Entscheidung. Von einem Anstieg um 20 bis 30 Prozent, wie er zuvor angedacht war, könne, so Rıza Tuna Turagay von BAT Türkei, jedoch nicht die Rede sein.

Reiche sollen stärker zur Kasse gebeten werden

Zuvor hatte die türkische Regierung bekannt gegeben, dass der staatliche Steuersatz auf eine Packung Zigaretten von 80 auf nun 81.6 Prozent angehoben werde. Damit beträgt der Anteil für den Fiskus an einer Acht-Lira-Packung nun 6.53 statt wie bisher 5.22 Lira. Zudem verkündete das Finanzministerium auch die Änderung des Mehrwertsteuer (MwSt)-Satzes auf Immobilien. Im Zuge dessen, so heißt es weiter, betrage die Steuer für Häuser unter 150 Quadratmeter und einem Wert zwischen 500 und 1000 Lira pro Quadratmeter künftig acht Prozent. Wohingegen die Steuer für Immobilien mit einem Quadratmeterwert von über 1000 Lira auf 18 Prozent anziehe. Die Mehrwertsteuer für Häuser über 150 Quadratmetern bleibe hingegen unverändert bei 18 Prozent. Ein weiteres Mal sei im Zuge dessen auch darüber gesprochen worden, Reiche in Zukunft stärker zur Kasse zu bitten. So würden Personen, die hochwertige Häuser kaufen, dafür auch mit höheren Steuern belastet. Diese Regelung ziele auf Luxus- bzw. erstklassige Wohngebiete in Großraum-Gemeinden ab. Stadterneuerung und reservierte Bereiche sowie Gebäude mit Katastrophenrisiken blieben jedoch außen vor.

Mit Beginn des neuen Jahres stiegen jedoch nicht nur die Steuern für Zigaretten oder Immobilien. Auch zahlreiche andere Waren und Dienstleistungen seien betroffen. So wurde unter anderem die Steuer für Kraftfahrzeuge erhöht. Die Spanne reiche nach Angaben der Hürriyet nun von 56 bis 18,803 Lira. Teurer werden demanch auch die Gebühren für Mobilfunkverträge, ebenso wie die für den Erhalt vieler staatlicher Dokumente einschließlich Personalausweise, Reisepässe oder notarielle Urkunden.

Argument 2011: Stärkung der türkischen Wirtschaft

Bereits 2011 hatten es die türkischen Bürgerinnen und Bürger mit umfassenden Steuererhöhungen zu tun. Damals verteidigte der türkische Premierminister Recep Tayyip Erdogan die jüngsten Steuererhöhungen auf Güter von Alkohol bis Autos. Sie seien notwendig, um nicht in die gleichen ökonomischen Schwierigkeiten wie Griechenland zu geraten. Die türkische Wirtschaft solle in Anbetracht der internationalen Turbulenzen gestärkt werden (er riet den Türken nicht zu rauchen und weniger zu trinken – mehr hier).

Diese Bestrebungen gilt es nun offenbar zu konsolidieren. Denn das Bild, das Ökonomen derzeit von der Türkei zeichnen, ist durchaus rosig. Bis 2050, so heißt es, solle die türkische Wirtschaft den Westen überholt haben. Andere sehen das Land zu dieser Zeit gar schon unter den Top Ten der weltweiten Volkswirtschaften (man müsse Platz machen am Verhandlungstisch, heißt es – mehr hier). Die Direktinvestitionen fließen, die Fachkräfte kommen in Scharen. Viele Erwartungen, die es nun zu erfüllen gilt.

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