Sorge um Syrien: Die Türkei ist für einen Krieg bereit

Die Türkei ist offenbar auf alle möglichen Szenarien in der Region vorbereitet. Nach Angaben des türkischen Premiers Recep Tayyip Erdoğan habe das Land alle Ressourcen mobilisiert, um den Frieden in der Region zu wahren. Gleichzeitig sei man jedoch auch für einen möglichen Krieg bereit.

Im Rahmen der fünften jährlichen Botschafterkonferenz in Ankara erklärte der türkische Premier Recep Tayyip Erdoğan am vergangenen Donnerstag, dass die Türkei nicht gleichgültig bleibe angesichts dessen, was gerade in Syrien passiere. Zwar präferiere man den Frieden und tue auch sein Bestes, um diesen zu wahren. Auf der anderen Seite sei die Türkei allerdings auch bereit, jeden Preis zu zahlen, um diesen Frieden zu bewahren – selbst, wenn das Krieg bedeute.

In Anbetracht der Tatsache, dass mittlerweile mehr als 150.000 Menschen vor der Gewalt in Syrien in die Türkei geflohen seien, brauche es derzeit mehr Energie, den Frieden zu wahren, als in den Krieg zu ziehen. „Krieg ist die einfachste Option, während die Wahrung des Friedens weitaus schwieriger ist“, zitiert die türkische Zeitung Zaman den Premier. „Wir bevorzugen hier die härte Option, nämlich den Frieden zu sichern, anstatt in den Krieg zu ziehen. Wir werden jeden Preis zu zahlen, um den Zustand des Friedens [in unserem Land] zu bewahren. Und wir haben bereits einen hohen bezahlt.“

Westerwelle gegen NATO-Intervention in Syrien

Nach Angaben der UN kostete der seit März 2011 anhaltende Aufstand in Syrien bisher mindestens 60.000 Menschen das Leben ( Navi Pillay, Hohe Kommissarin der Vereinten Nationen für Menschenrechte (UNHCHR) bezeichnete das als schockierend – mehr hier). Noch Mitte Dezember letzten Jahres zeigte sich die Türkei optimistisch, dass Machthaber Bashar al-Assad bis zum kommenden März abtreten könnte. Bereits vor einigen Wochen hatte man mit dem syrischen Vizepräsidenten Farouk al-Sharaa einen neuen Hoffnungsträger ins Spiel gebracht. Es folgten neue Annäherungsversuche an Russland, die auch wohlwollend aufgenommen wurden (Putin bezeichnete ihn als kreative Formel – mehr hier). Nun bestimmen jedoch wieder heftige Kämpfe und unzählige Tote die Schlagzeilen. Vor allem die Umgebung von Damaskus gerät immer mehr zur Todeszone.

Derweil stellt sich der deutsche Außenminister Guido Westerwelle (FDP) entschieden gegen ein Eingreifen der NATO in Syrien. Auch er zeigt sich zuversichtlich, dass das Regime ohne militärisches Eingreifen von außen dem Untergang geweiht ist und ein Neuanfang unter der Führung der Nationalen Koalition bevorsteht. Diese Entwicklung vollzieht sich derzeit mit „zunehmender Geschwindigkeit“.

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