Nachfragerückgang aus Europa: Türkischer Fiat-Hersteller baut massiv Stellen ab

Der türkische Fahrzeughersteller Tofaş, der in Lizenz Autos des italienischen Konzerns Fiat fertigt, hat seine Produktion auf zwei Schichten heruntergefahren. Außerdem sollen die Verträge für rund 800 Zeitarbeiter nicht verlängert werden. Grund hierfür sei die schwache Nachfrage aus Europa. Anders gestaltet sich die Lage offenbar bei Renault und Ford. Dort soll es keine Entlassungen oder Kapazitätsrückgänge geben.

Tofaş, der türkische Hersteller von Fiat, hat angekündigt, seine Fertigung auf zwei Produktionsschichten zurück zu fahren. Daneben würden die Verträge mit 800 Zeitarbeitern nicht verlängert, die zum Ende des Jahres 2012 ausgelaufen seien. Als Gründe gibt das Unternehmen den sich verschlechternden Umsatz in Europa und entsprechende Prognosen an, dass sich die Situation auch in den nächsten ein, zwei Jahren nicht verbessern werde. Das meldet die türkische Zeitung Hürriyet.

Die neue Schichteinteilung, so heißt es in einer Mitteilung von Tofaş an die türkische Börse İMKB weiter, trete bereits ab kommenden Montag, den 7. Januar, in Kraft.

Tofaş will Produktion in der Türkei halten

Die europäischen Spitzenabsatzmärkte des Unternehmens waren Italien, Frankreich und Spanien. Doch gerade dort seien, so schreibt das Blatt, die Umsätze – vor allem bei den Nutzfahrzeugen – um bis zu 20 Prozent eingebrochen. Schon 2012 sah sich Tofaş deshalb gezwungen, die Produktion für ganze 52 Tage auszusetzen. Das Ziel des türkischen Unternehmens sei es nun, einen kompletten Abzug von Fiat aus der Türkei zu vermeiden und zumindest das Niveau von 2012 zu halten. Erreicht werden soll das nun vor allem über die Reduzierung von Personalkosten und ein Herunterfahren von einer Produktionskapazität von 400,000 Fahrzeugen auf 310,000 in 2013.

Erst im März 2011 erhöhte Tofaş auf Grund der gestiegenen Nachfrage von einem Zwei- auf ein Drei-Schicht-System und stockte um zusätzliche Leiharbeiter auf. Nun hat sich das Blatt offenbar komplett gewendet. Die betroffenen Mitarbeiter seien bereits über die Entscheidung informiert worden. Ein schwacher Trost: Sollte sich die Lage wieder bessern, so würden sie bevorzugt wieder eingestellt.

Clio 4 verleiht Renault wieder Auftrieb

Mit der Ankündigung von Tofaş kamen auch Spekulationen auf, wie die anderen in der Türkei ansäßigen Autohersteller im neuen Jahr agieren würden. Renault, der zweite Automobilgigant im Land, der wie der Fiat-Lizenznehmer in Bursa produziert, erklärte dem Medium auf Nachfrage jedoch, dass es zu keinen Entlassungen, Kürzungen im Schichtbetrieb oder Produktionsrückgängen kommen werde. Vor allem deshalb nicht, weil man erst vor kurzem mit der Produktion des neuen Clio 4 begonnen hätte, der dem Unternehmen neuen Auftrieb verleihen konnte (zu Zeiten Sarkozys wäre das völlig undenkbar gewesen – mehr hier).

Optimistischer gibt sich auch Ford Otosan, die offenbar ebenfalls keinerlei Einschränkungen planen. Als Grund hierfür gelten sowohl die Produktion neuer Modelle als auch die Exporte in die USA.

Exporte in 2012 bereits zurückgegangen

Der türkische Automobilsektor führte im Jahr 2012 die Liste der Exportbranchen mit einem Volumen von 19 Milliarden US-Dollar an. Schon in dieser Zeit war jedoch ein Rückgang von 5.26 Prozent im Vergleich zum rekordverdächtigen Vorjahr zu verzeichnen (die Automobilindustrie erfuhr einen richtigen Boom – mehr hier). Gut ein Drittel dieser Exporte stammen aus Bursa. Allein in Deutschland brachen die Pkw-Neuzulassungen, ein wichtiger Gradmesser für die Nachfrage, 2012 um gute drei Prozent ein.

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