Dramatischer Beschneidungsunfall: Türkische Familie fordert 2 Mio. Lira Schmerzensgeld

Die Familie eines dreijährigen Kindes, dessen Penis während eines kollektiven Beschneidungsfestes in der südöstlichen Provinz Batman abgeschnitten wurde, hat nun zwei Millionen türkische Lira Entschädigung vom türkischen Gesundheitsministerium gefordert. Der Staatsrat wurde bereits angerufen. Ein Urteil steht noch aus.

Die Familie des Jungen, so berichtet derzeit die türkische Zeitung Hürriyet, habe das Ministerium bereits vor zwei Jahren über das Verwaltungsgericht in Batman verklagt. Damals sprach das Amtsgericht den Angehörigen 600.000 Türkische Lira Schadensersatz zu. Mit dieser Summe zeigte sich die Familie allerdings nicht einverstanden. Sie pocht darauf, dass der Junge in Folge des Unglücks eine weitere Behandlung, einschließlich einer Behandlung im Ausland, benötigen würde. Darüber hinaus wird behauptet, dass die Beschneidung nicht von einem qualifizierten Arzt durchgeführt wurde, sondern von einem unqualifizierten Mitglied des Krankenhauspersonals vorgenommen worden sei. Ob die Familie tatsächlich die geforderten zwei Millionen Lira erhält, ist derzeit noch ungewiss.

In Deutschland wurde erst im vergangenen Dezember ein Gesetz zur Beschneidung von Jungen gebilligt (Damit bleibt eine ärztlich fachgerecht ausgeführte Beschneidung bei Jungen bis zum sechsten Lebensmonat grundsätzlich zulässig – mehr hier). Voraussetzung ist allerdings, dass der Eingriff von Ärzten „nach den Regeln der ärztlichen Kunst“ bzw. in den ersten sechs Lebensmonaten auch von ausgebildeten Beschneidern vorgenommen wird. Ist der Junge älter, kommen nur noch Mediziner infrage.

Während das Thema hierzulande breit und vor allen Dingen kontrovers diskutiert wurde, blieb ein tödlicher Zwischenfall in Großbritannien von den Medien weitestgehend unbeachtet. Wie der humanistische Pressedienst bereits Ende des vergangenen Jahres meldete, war ein vier Wochen alter Junge nach einer Zirkumzision verblutet. In dem zu jener Zeit begonnenen Prozess vor dem Manchester Crown Court wurde der Beschneiderin nun grob fahrlässige Tötung vorgeworfen. Der Vorfall selbst ereignete sich bereits im April 2010. Die Krankenschwester hatte die Beschneidung ohne Betäubung durchgeführt und dafür lediglich eine Schere, eine Zange und Olivenöl benutzt. Einen Tag später war der kleine Junge tot. Sowohl die Täterin als auch die Eltern stammen aus Nigeria. Grace Adeleye wurde der fahrlässigen Tötung für schuldig befunden.

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