Solidarität mit syrischen Flüchtlingen: Lichtermarsch in Köln angesetzt

Mehr als 60.000 Menschenleben hat der seit März 2011 tobende Aufstand in Syrien bereits gekostet. Allein in der Türkei haben bisher gut 150.000 Menschen Zuflucht vor der Gewalt in ihrer Heimat gesucht. In Deutschland soll dem Schicksal der syrischen Flüchtlinge nun am 19. Januar gedacht werden. Via Facebook wird derzeit zu einem Lichtermarsch in Köln aufgerufen. Bisher allerdings mit geringem Erfolg.

„Das Ende des mörderischen Assad Regimes in Syrien naht“, heißt es bereits seit dem 18. Dezember 2012 in der Beschreibung des Facebook-Events. Erstellt wurde die Veranstaltung mit dem Titel „Lichtermarsch zur Solidarität mit den syrischen Flüchtlingen“ von „Die syrische Revolution 2011“. Darin ruft die Gruppe dazu auf, sich am 19. Januar 2013 um 15.30 Uhr am Bahnhofsvorplatz in Köln zu versammeln und dann um 17.00 Uhr der Kundgebung am Neumarkt beizuwohnen.

„Die Befürworter und Geldgeber des Dikators wenden sich ab. Das Leid der Millionen syrischen Flüchtlinge im In – und Ausland scheint hingegen endlos“, machen die Organisatoren noch einmal auf die fatale Situation, die erst in dieser Woche von der Hohen Kommissarin der Vereinten Nationen für Menschenrechte (UNHCHR), Navi Pillay, hervorgehoben wurde, aufmerksam (Pillay bezeichnete die Zahlen als schockierend – mehr hier).

Synonym für Freiheit, Demokratie und unbeugsamen Willen

Unabhängig von der politschen Entwickung in Syrien werde, so die Schreiber in ihrem Internet-Appell weiter, ihre Not zunächst fortbestehen. Sie seien hungrig, verletzt und traumatisiert, ihre Häuser zerstört (erst an Neujahr starben fünf kleine Kinder bei einem Zeltbrand – mehr hier). Ein Problem, dessen sich Deutschland, im Gegensatz zu den syrischen Nachbarstaaten, die Hunderttausende Flüchtlinge aufgenommen haben, bisher nicht direkt angenommen hat. Die syrischen Flüchtlinge, so „Die syrische Revolution 2011“, stünden jedoch als Synonym für Freiheit, Demokratie und einem unbeugsamen Willen. Sie seien die Helden der Revolution. Gemeinsam wolle man ihnen mit der Aktion nun den gebührenden Respekt und Solidarität entgegenbringen.

Am Ende des Appells, das seit einigen Stunden auch von der bekannten deutschen Islamwissenschaftlerin und Religionspädagogin syrischer Herkunft, Lamya Kaddor, auf Facebook weitergetragen wird, heißt es „Wir sind es ihnen schuldig“. Eine Mahnung, die im World Wide Web derzeit aber noch weitestgehend ungehört zu verhallen scheint. Rund 3300 Personen verzeichnet die Einladungsliste zum Facebook-Event. Mit Stand von Freitagabend konnten sich 83 Personen noch nicht zu einer Teilnahme durchringen und gerade einmal 112 sagten zumindest virtuell zu. Ob diese am Ende auch tatsächlich erscheinen, ist allerdings fraglich.

Wer glaubt, Demos machen keinen Sinn, hat schon verloren

Ein Umstand, der auch so manchen User nicht kalt lässt. „Seit einigen Wochen steht diese Veranstaltung und wir haben bisher noch nicht mal 100 Zusagen!!“, wird da etwa am vergangenen Donnerstag kommentiert. Dafür habe man schon ca. 50.000 Tote in Syrien und stündlich würden es mehr. Er fragt: „Ist das alles was sie verdienen? Jeder Syrer, jeder Mensch ist verpflichtet jedem geschundenen Menschen auf diesem Planeten, seine Unterstützung zu geben. Wir können das indem wir an dieser Demonstration teilnehmen.“ Ins gleiche Horn bläst auch ein weiterer Facbook-User. „Assad tötet täglich mehr von uns! (…) Was muss noch passieren, dass ihr euch aufrafft? Habt ihr alle etwas anders zu tun? Wer glaubt, dass die Schlacht gewonnen ist, und Demos keinen Sinn mehr machen, der hat schon verloren! (…).“

Eine Warnung, die nach Ansicht der Nahost-Expertin Kristin Helberg von der internationalen Gemeinschaft bereits in den Wind geschlagen wurde. Denn diese, so wird sie aktuell von der Heilbronner Stimme zitiert, trage wenig zur Stabilisierung der Lage in Syrien bei. „Sie hat versagt, weil sie keine gemeinsame Position gefunden hat“, so Helberg im Rahmen einer Diskussionsrunde am vergangenen Donnerstag. Nach dem Sturz des Regimes eine UN-Friedenstruppe zu entsenden hält die Fachfrau darüber hinaus für „blanken Zynismus“. Schließlich habe man die Syrer zwei Jahre lang dem Regime ausgeliefert.

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