Vorstoß: Geschundene Frauen und Kinder bekommen künftig Häuser von der Regierung gestellt

Panic Buttons, Zeugenschutzprogramm, Frühwarnsystem für Kinder. Die Türkei rüstet derzeit auf, wenn es um Hilfe für Opfer von geschlechtsbezogener Gewalt geht. Jüngster Vorstoß: Gemäß einer neuen Verordnung über Frauenhäuser, können Frauen mit Kindern, die unter häuslicher Gewalt leiden, künftig auch in von der Regierung gemietete Häuser einziehen.

Das türkische Ministerium für Familie und Sozialpolitik habe die neue Regelung am vergangenen Freitag im Amtsblatt veröffentlicht. Diese besage, dass Opfern häuslicher Gewalt mit behinderten Kindern oder Kindern, die älter als zwölf Jahre seien, in sicheren, von der Regierung gepachteten Häusern unterkommen könnten. Das berichtet die türkische Zeitung Zaman.

Viel Komfort können die geschundenen Frauen hier allerdings nicht erwarten. Jedes Haus habe nur etwa 20 Quadratmeter. Der Vorteil: Die Bauten befänden sich in der unmittelbaren Umgebung der Frauenhäuser und seien umfassend mit Sicherheitssystemen ausgestattet. So gebe es neben Weitwinkel-Kameras im Freien auch Kameras in den Eingangsbereichen, Fluren, Küchen- und Wohnbereichen. Zum Einsatz kämen auch Fensterwachen und Alarmanlagen, um die Sicherheit zu den Schutzräumen zu erhöhen (die Testphase für Panic Buttons startete im Oktober 2012 – mehr hier).

Keine zwingende Zusammenführung der Familien mehr

Und noch eine weitere, sinnvolle Neuerung bringen die Unterkunftsmöglichkeiten mit sich. Anders als sonst, werde das Personal der Frauenhäuser in diesen Fällen nicht angehalten, die Familie bzw. die geschundene Frau mit ihrem schlagenden Ehemann wieder zusammen zu führen. Zudem sei weder ein Nachweis der Gewalt nötig, wenn eine Frau Schutz suche, noch dürfe das Personal an den Frauenhäusern die Grundrechte und Grundfreiheiten der Opfer von Gewalt einschränken. Nötig sei lediglich die Unterzeichnung einer entsprechenden Erklärung mit denen sie zugleich verschlüsselte Personalausweise erhalten würden. Die codierten ID-Nummern würden auch während des gesamten Schriftverkehrs zwischen den Mitarbeitern und den Frauen verwendet werden (Istanbul ist für Frauen mittlerweile ein gefährlicheres Pflaster als Anatolien – mehr hier).

Die Frauen und ihre Kinder erhalten darüber hinaus Lese- und viele andere Kurse, nebst einer staatlichen finanzielle Unterstützung, Kleidung und andere Produkte zur Stillung der Grundbedürfnisse. Kinder erhielten, so das Blatt, 400 Lira. Die gleiche Summe, die auch Waisen in Waisenhäusern zugestanden werde.

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