Fluch oder Segen? Türkei reicht Unterlagen für Olympia 2020 beim IOC ein

Nur noch acht Monate, dann entscheidet sich, wer den Zuschlag für die Olympischen Sommerspiele 2020 erhält. Wenn es nach der Türkei geht, wäre der schon viel früher erfolgt. Das Land ist bereit und hat nun seine endgültigen Unterlagen beim IOC eingereicht. Doch bei aller Euphorie scheint Vorsicht geboten. Zwar lief beim jüngsten Gastgeber London alles glatt, nachhaltig vom sportlichen Mega-Event profitieren konnte man allerdings nicht.

Die Chancen für Istanbul, den Zuschlag für die Olympischen Spiele 2020 zu erhalten, sind derzeit so groß wie nie. Derzeit befindet sich die Millionenstadt am Bosporus unter den Top 3-Anwärtern für die Austragung der Veranstaltung in gut sieben Jahren. In acht Monaten ist klar, wer am Ende das Rennen gemacht hat.

Jetzt, so berichtet die türkische Zeitung Hürriyet, hätten Delegationen aus Istanbul, Madrid und Tokio ihre endgültigen Bewerbungsunterlagen an das Internationale Olympische Komitee (IOC) in Lausanne überreicht. Gewählt wird dann während der IOC-Vollversammlung am 7. September in Argentiniens Hauptstadt Buenos Aires (die Bewerbung erfolgte im August 2011 – mehr hier).

Istanbul bewirbt sich bereits zum fünften Mal

Die türkische 13,5-Millionen-Einwohner-Stadt buhlt bereits zum fünften Mal um die Olympischen Sommerspiele. Ab kommenden März wird die Evaluierungskommission des IOC unter dem Vorsitz des Schotten Sir Craig Reedie den drei Olympia-Kandidaten einen Besuch abstatten (Streitpunkt war bis vor kurzem die EM 2020 – mehr hier). Bis dahin liefert nicht nur Istanbul den Entscheidern jede Menge Lektüre. Die nun eingebrachten Unterlagen umfassen nach Angaben des Blattes mehrere hundert Seiten. Darin aufgezeigt seien der jeweilige Masterplan der Austragungsorte, diverese Bilanzen, finanzielle Garantien, Sicherheiten, Unterkunft und andere wichtige Aspekte der Projekte. Der Öffentlichkeit vorgestellt, so heißt es weiter, würden sie bereits an diesem Dienstag.

Die Türkei wurde in Lausanne von Istanbuls Bürgermeister Kadir Topbaş, Uğur Erdener, Präsident des Nationalen Olympischen Komitees der Türkei (TMOK), sowie dem türkischen Bewerbungschef Hasan Arat vertreten. In seiner Bewerbung will Istanbul vor allem mit seinem außergewöhnlichen Standort auf zwei Kontinenten punkten. Obschon die Türkei damit zum ersten Mal Olympische Spiele austragen würde, hätte das Land nach Ansicht von Erdener in den vergangenen Jahren bereits genügend Erfahrung auf diesem Gebiet gesammelt (Probleme wie Verkehr und Unterkünfte und Sicherheit seien überdies bereits angegangen worden – mehr hier).

Olympia 2012: Touristen blieben London fern

Doch bei aller gewissenhafter Vorbereitung scheint auch Vorsicht geboten. So zeigt etwa das Beispiel London, dass trotz eines reibungslosen Ablaufs und Begeisterung auf der ganzen Welt nicht alle Erwartungen erfüllt werden können. Schon kurz nach dem Ende der Olympischen Spiele 2012 zeigte sich, dass teure Hotels und eingeschränkte Mobilität während der Olympischen Spiele auf viele Touristen abschreckend gewirkt hatten. Ob sich optimistische Prognosen, wie etwa von Visa Europe, tatsächlich bewarheiten und bis 2015 mehr als fünf Milliarden Pfund, umgerechnet fast acht Milliarden Dollar, durch die Olympischen Sommerspiele an zusätzlicher Wirtschaftsleistung in die britischen Kassen gepumpt werden, scheint fraglich.

Auch für Istanbul könnte das Sport-Spektakel am Ende zur Belastungsprobe werden. So warnt der deutsche Sportjournalist Jens Weinreich bereits Anfang des Jahres: „Jacques Rogge war 2001 mit dem Versprechen angetreten, die Olympischen Spiele bezahlbarer und nachhaltiger zu machen. Auch mit diesem Vorhaben ist er gescheitert.“ Denn in seiner Ära stünden Athen (Sommer 2004), Peking (Sommer 2008), Sotschi (Winter 2014) und Rio de Janeiro (Sommer 2016) für olympischen Gigantismus. Allenfalls in Vancouver (Winter 2010) und mit großen Abstrichen in London (Sommer 2012) sei nachhaltig agiert worden. „(…) selbst in London begann alles mit einer großen Lüge über die Kosten, als die Regierung in der Bewerbungsphase ein entsprechendes Gutachten verheimlichte.“

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